Die jüngste Wirtschaftsentwicklung gleicht einem bösen Traum. Innerhalb nur weniger Wochen ist die Weltwirtschaft von einem soliden Wachstum in Höhe von mehr als drei Prozent in eine Rezession gestürzt, die nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr vermutlich ein Minus von rund drei Prozent erreichen wird. In den USA und in der Eurozone rechnen Ökonomen sogar mit einem Rückgang um jeweils sieben bis neun Prozent, berichtet Jean-Marie Mercadal, Chefstratege bei Ofi Asset Management. 

Die Corona-Rezession ist unzweifelhaft einer der schlimmsten Wirtschaftseinbrüche der modernen Geschichte. Sie weist aber zwei große Unterschiede zu vorangegangenen Krisen auf: "Sie wurde durch den großen Lockdown weltweit künstlich erzeugt, und die Zentralbanken fangen quasi alle aufgrund der Krise aufgenommenen Schulden auf", erklärt Mercadal. Er sieht deshalb gute Chancen, dass der Alptraum bald ein Ende hat – wenn auch nicht so bald, wie der IWF prognostiziert.

U statt V – aber immerhin kein L
Experten des Währungsfonds erwarten bereits für das kommende Jahr wieder ein globales Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent. Ganz so schnell wird sich die Weltkonjunktur aber wohl nicht von der Coronakrise erholen, sagt der Ofi-Stratege. "Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft zwei bis drei Jahre brauchen wird, bis sie das Vorkrisenniveau von 2019 wieder erreicht", sagt er. Das entspräche einem U- statt einem V-förmigen Aufschwung. 

Mercadal weist darauf hin, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus nach wie vor bestehen, das Leben sich also bislang nicht wieder komplett normalisiert hat. "Viele Unternehmen werden noch Insolvenz anmelden, und viele Verbraucher sind arbeitslos oder sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, sodass sie sich aktuell in ihren Ausgaben zurückhalten", betont er. Das dürfte die Investitionsfreude der Unternehmen dämpfen. (fp)