Viele Deutsche haben keinen blassen Schimmer, wie viel Rente insgesamt sie im Alter erwarten können. Die Bundesregierung will das ändern und hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um ein einheitliches säulenübergreifendes Renteninformationssystem zu schaffen. Vergangene Woche haben die Experten einen technischen Prototyp präsentiert, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Das sogenannte "Rentencockpit" könnte demnach bereits ab 2020 und damit ein jahr früher als im Koalistionsvertrag festegelegt für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Bei dem Tool handelt es sich um eine Art individuelles Online-Konto, das Bundesbürgern einen vollständigen Überblick über alle Säulen ihrer staatlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge geben soll. Nutzer sollen so auf einen Blick erkennen können, wie hoch ihre zu erwartende Rente ausfallen wird und wo noch nachgebessert werden muss.

Die Initiative Deutsche Renten Information (DRI), die das "Rentencockpit" koordiniert, plant eine stufenweise Einführung. Rückenwind bekommt das Institut durch ein gemeinsames Gutachten der Universität Ulm und des Beratungsunternehmens Aon. Die Studienautoren halten das Vorhaben trotz der heterogenen Altersvorsorgelandschaft in Deutschland für machbar, berichtet die FAZ.

Vergleichbarkeit ist schwierig
Die Einführung eines Online-Rentenkontos wird bereits seit Jahren diskutiert. Viele Marktbeobachter zweifeln deshalb daran, dass die Große Koalition den Starttermin halten kann. Einer repräsentativen Studie des Finanzvertriebs MLP vom Februar zufolge sind nur zehn Prozent der deutschen Lebens- und Rentenversicherer davon überzeugt, dass das Portal bis zum Jahr 2021 online sein wird.

Die größte Hürde für die Einführung einer digitalen Rentenübersicht sehen die Versicherer in der Vergleichbarkeit der verschiedenen Produkte in den drei Säulen der Altersvorsorge. So schätzen 60 Prozent der Befragten, dass ein aussagekräftiger Vergleich etwa von gesetzlicher, Betriebs- und Riester-Rente nur mit erhöhtem Aufwand möglich ist – oder gar nicht. (fp)