Dreißig Jahre Mauerfall feiert Deutschland in diesem Jahr. Tatsächlich bleiben aber viele Ungleichheiten zwischen Ost und West. Jüngster Aufreger: Es gibt immer noch kaum ostdeutsche Ökonomen von Rang und Namen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Zwar gibt es durchaus renommierte Universitäten und Forschungsinstitute im Osten Deutschlands, deren Leiter stammen jedoch fast durchweg aus dem Westen. Die Gründe dafür sind vielfältig: So seien nach dem Mauerfall viele Fakultäten von Grund auf neu aufgebaut und mit neuen Professoren besetzt worden, schreibt die "NZZ".

Denn die ostdeutschen Wirtschaftswissenschaftler galten damals als ideologisch vorbelastet, hatten sie doch zuvor den Marxismus und Leninismus gelehrt – eine Denkschule die nach dem Scheitern des sozialistischen Systems als veraltet galt. Ökonomen aus der ehemaligen DDR wurde obendrein vorgeworfen, vom alten System indoktriniert zu sein und eine heile Wirtschaft durch wissentlich geschönte Daten vorgegaukelt zu haben. Nach der Wende wiederum galten sie oft als Neoliberale, die den Osten schlechtmachten.

Ostdeutsche Ökonomen konnten westdeutsche Karriereanforderungen nicht erfüllen
Dazu kommt: Selbst Ostdeutsche, die beim Mauerfall noch jung waren, konnten oft nicht die Abschlüsse und Qualifikationen vorweisen, die nach westlichen Kriterien für eine Karriere notwendig gewesen wären. Auch entstanden schnell Machtzirkel der westdeutschen Elite, die sich selbst reproduzierte und den Eintritt für ostdeutsche Ökonomen erschwerte, stellt die NZZ fest. (fp)