Russlands und Saudi-Arabiens Weigerung, sich den Ölförderkürzungen der Opec-Länder anzuschließen, hat den Ölpreis in den vergangenen Tagen auf Talfahrt geschickt. "Das Versagen, die Förderstrategien zu koordinieren, unterstreicht die Zerbrechlichkeit des Kartells, seitdem das US-amerikanische Schieferöl den Weltmarkt neu geordnet hat", analysiert Axel Botte, Marktstratege bei Ostrum Asset Management. Sowohl Russland als auch Saudi-Arabien spielen allerdings mit dem Feuer, sagt er. Die Wirtschaft beider Länder würde unter einem dauerhaft niedrigen Ölpreis wohl mit am meisten leiden.

Hinter Russlands Eskalationsstrategie steckt womöglich der Versuch, die US-Schieferölproduktion unrentabel zu machen, erklärt Botte. In den Vereinigten Staaten dürfte der Ölpreis-Einbruch indes kaum Auswirkungen auf die Ölförderung haben. "Zwar werden Ausfälle einzelner Unternehmen nicht zu vermeiden sein, aber die Umstrukturierung wird die Produktionskapazitäten langfristig nicht verändern", so der Stratege. Er geht davon aus, dass die Schieferölproduktion trotz niedrigeren Ölpreises mehr oder weniger so weiterläuft wie bisher.

Mehr Geld für Shopping
Den US-Bürgern kommt der Opec-Streit sogar gelegen. "Die Haushalte werden in hohem Maße von den niedrigeren Energiekosten profitieren", sagt Botte. Schätzungen zufolge könnte der Kaufkraftgewinn durch die niedrigeren Ölpreise bei bis zu 125 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Das entspräche 0,6 Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts der USA. Ein Großteil des Geldes könnte in den Konsum fließen, schätzt der Experte – "vorausgesetzt, das Verbrauchervertrauen hält an." (fp)