Die Staaten der Eurozone häufen immer höhere Schulden an – können ihre Schuldenberge aber zugleich immer besser schultern. Grund dafür ist die Geldpolitik, die dafür sorgt, dass die effektiven Kosten der Verschuldung in der Währungsunion auch im kommenden Jahr sinken werden, erklärt Stéphane Déo, Marktexperte beim französischen Vermögensverwalter Ostrum.

Bereits seit Beginn des Jahrtausends sind die effektiven Zinsen, also die auf die gesamten ausstehenden Staatsanleihen zu zahlende Rate, in vielen Euro-Ländern im Sinkflug. Das liegt erstens daran, dass neue Schuldtitel mit immer niedrigeren Kupons ausgegeben werden, sagt Déo. Zweitens werden hoch verzinste Schulden aus der Vergangenheit sukzessive durch Anleihen mit niedrigerem Kupon ersetzt.

Refinanzierung fälliger Anleihen wird einfacher
Der sinkende Effektivzins hat massiven Einfluss auf die Schuldentragfähigkeit der Länder, urteilt der Ostrum-Experte. "Der niedrige effektive Zins hält die Auswirkungen für den Schuldendienst in Grenzen", sagt er. Auch die Refinanzierung fälliger Anleihen wird dadurch für Regierungen einfacher. Zum Glück: Allein in Deutschland werden im kommenden Jahr vier Staatsanleihen mit einem Volumen von 54 Milliarden Euro und einem Durchschnittskupon von 2,69 Prozent fällig. Geht man davon aus, dass Bundesanleihen im kommenden Jahr sogar mit Nullkupon Abnehmer finden, würde das dem deutschen Fiskus 1,5 Milliarden Euro an Zinszahlungen ersparen.

"Unbestritten ist die steigende Staatsverschuldung in Europa nicht auf die leichte Schulter zu nehmen", gibt Déo zwar zu bedenken. "Mit Blick auf deren Finanzierungskosten haben die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank aber positiv gewirkt und den Anstieg des Schuldenstandes mehr als kompensiert." Das habe nicht nur positive Folgen für die Schuldentragfähigkeit der Staaten, sondern verschaffe Regierungen in Europa zudem einen größeren Handlungsspielraum bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie. (fp)