Mit sogenannten Pandemie-Anleihen will die Weltbank den globalen Kampf gegen akute Seuchen finanzieren. Im Jahr 2017 emittierte die Organisation ein solches Papier als Reaktion auf den 2014 grassierenden Ebola-Virus, der insgesamt 11.310 Menschen in Westafrika tötete, weil den Entwicklungsländern das Geld fehlte, um die Krankheit wirkungsvoll zu bekämpfen. 320 Millionen US-Dollar steckten internationale Großinvestoren damals in diesen "Pandemic Bond". Nun könnte das Geld erstmals zum Einsatz kommen, berichtet der "Tagesspiegel".

Auslöser könnte das Corona-Virus sein, das vor einigen Wochen in China seinen Ursprung fand und seitdem scheinbar unaufhaltsam um den Globus wandert. Sollte sich die neuartige Lungenkrankheit auch in den Entwicklungsländern festsetzen, würde die Weltbank mit dem Geld aus dem Bond erste Gegenmaßnahmen finanzieren wie das Bereitstellen von Anti-Seuchen-Ausrüstungen – und zwar solange, bis wohlhabendere Länder humanitäre Mittel bereitstellen.  

Bis zu 195,83 Millionen Dollar aus der "Pandemic Emergency Financing Faciliy" (PEF) könnten für betroffene Entwicklungsländer ausgeschüttet werden, berichtet die Zeitung. Die Höchstsumme fließt allerdings nur, wenn eine Reihe konkreter und belegbarer Vorbedingungen eingetreten sind. So muss es zu einem globalen Ausbruch mit mindestens acht betroffenen Ländern gekommen sein, dazu zu mindestens 2500 Todesfällen in den sogenannten "IDA-Ländern". Zu dieser 76 Staaten umfassenden Gruppe zählt die Weltbank Entwicklungsländer mit einer niedrigen Kreditwürdigkeit und einem Bruttoinlandsprodukt von maximal 1175 Dollar pro Kopf und Jahr wie Kamerun, den Sudan oder Nepal.

Hohe Zinsen, hohes Risiko
Für das Risiko, dass es zu einem solchen Einsatz finanzieller Mittel kommt, hat die Weltbank institutionelle Anleger, zu denen beispielsweise europäische Pensionsfonds zählen, fürstlich entlohnt. Für die erste Tranche über 225 Millionen US-Dollar überwies die International Bank for Reconstruction and Development, die zur Weltbank-Gruppe gehört, den Geldgebern rund 6,5 Prozent über einem festgelegten Basis-Zinssatz, dem US-Libor für sechs Monate. Er liegt derzeit bei 1,7 Prozent. Die Tranche deckt Pandemie-Gefahren mit Influenza-Viren oder dem Corona-Virus ab.

Für die zweite Tranche wurden sogar noch höhere Zinsen ausgelobt, weil auch das Risiko ungleich höher ausfällt. Dieser Teil des Bonds deckt nämlich neben dem Corona-Virus andere potentielle Pandemien ab, wie zum Beispiel das Lassa-Fieber, berichtet die Zeitung. Hier überwies das Institut den Investoren 11,1 Prozent über dem Sechs-Monats-Libor. (fp)