Die Staatsanwaltschaft Kempten sitzt auf einem Haufen Geld. Jedenfalls theoretisch: Mehr als 1.700 Bitcoins hat die Behörde im Jahr 2013 von einem Kriminellen beschlagnahmt – Gegenwert heute: 53 Millionen Euro. Der Besitzer hat allerdings bis heute nicht das Passwort herausgerückt, das die Ermittler benötigen, um an den Geldsegen heranzukommen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Weigerung des Mannes, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, bringt den Freistaat Bayern – zumindest auf dem Papier – mit steigendem Kurs der Kryptowährung um immer mehr Geld. Als die Bitcoins vor sieben Jahren sichergestellt wurden, hatten sie nur einen Bruchteil ihres heutigen Werts.

Es komme immer wieder vor, dass Staatsanwälte Bitcoins oder andere Kryptowährungen beschlagnahmen, schreibt die SZ. Im Anschluss werden die digitalen Münzen verkauft, das Geld fließt den Geschädigten oder dem Staat zu. Allein im Jahr 2018 verkaufte die Zentralstelle Cybercrime Bayern in Zusammenarbeit mit der Landesjustizkasse Krypto-Geld im Wert von mehr als zwölf Millionen Euro. Im Kemptener Fall kam die Staatsanwaltschaft immerhin an 86 von insgesamt 1.800 beschlagnahmten Bitcoin-Einheiten heran. Mit dem Verkauf vor rund zwei Jahren floss so eine halbe Million Euro in die Staatskasse.

Wenn du kein Geld hast: Druck dir welches
Der einstige Besitzer der weggeschlossenen Digitalmünzen ist ein damals 29-Jähriger, der eine Schadsoftware programmiert hatte, mit der er die Computer seiner Opfer kaperte. Er schaltete die PCs unbemerkt von ihren Eigentümern zu einem sogenannten Botnetz zusammen und nutzte die vereinte Rechenleistung dazu, Bitcoins zu schürfen. Die Masche flog auf, der Mann wurde wegen Datenveränderung, des Ausspähens von Daten und Computerbetrugs zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Problem: Das Passwort für seine digitale Geldbörse verriet er auch nach seiner Entlassung nicht.

Es passiert häufiger, dass Passwörter für digitale Brieftaschen, sogenannte Wallets, verlorengehen und Nutzer nicht mehr an ihr Krypto-Geld herankommen. Im Fall des in Kempten beschlagnahmten Geldsegens hat Oberstaatsanwalt Sebastian Murer aber zumindest noch etwas Hoffnung. "Wer weiß, ob sich durch Ermittlungen irgendwann nicht doch noch etwas ergibt", erklärte er gegenüber der SZ. (fp)