Paul Krugman: Wie Trumps Amerika die Energiewende sabotiert
Während sich die Erde im Rekordtempo erwärmt, torpediert die US-Regierung unter Donald Trump die Entwicklung erneuerbarer Energien. Ökonom Paul Krugman sieht dahinter nicht nur wissenschaftsfeindliche Ideologie, sondern ein Machtprojekt zugunsten der fossilen Industrie und ihrer Geldgeber.
Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine energiepolitische Kehrtwende, die weltweit Befremden auslöst. Mit dem erklärten Ziel, "amerikanische Energie" zu fördern, hat die zweite Trump-Regierung große Teile der Klimaschutzpolitik gestoppt und Projekte für Windkraft und Solarenergie blockiert. Genehmigungsverfahren werden verschleppt, bereits bewilligte Vorhaben widerrufen. "Damit vollzieht Washington einen Bruch mit den globalen Bemühungen zur Dekarbonisierung, und das just in einer Phase, in der sich die Erderwärmung nochmals beschleunigt", erklärt Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman in seinem aktuellen Meinungs-Blog.
Und weist dabei auf jüngste Daten von Berkeley Earth hin, die belegen, dass die Jahre 2023 bis 2025 zu den heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen gehört haben. Der Temperaturanstieg dieser Zeitspanne sei "extrem" und deute auf eine Beschleunigung der Erwärmung hin, schreiben die Forscher. Aus Sicht von Krugman ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Ignoranz und ökonomischer Verflechtungen. Er wirft der Trump-Regierung vor, aus ideologischen und eigennützigen Motiven gegen die Energiewende zu kämpfen. Und damit die Zukunftsfähigkeit der US-Wirtschaft zu gefährden.
Transformation machbar und volkswirtschaftlich rentabel
Krugman erinnert daran, dass über die Ursachen des Klimawandels längst kein wissenschaftlicher Streit mehr besteht. Ebenso unstrittig sei der ökonomische Befund: Strom aus Sonne und Wind ist heute günstiger als Energie aus Kohle oder Gas. Fortschritte in der Speichertechnologie haben frühere Schwächen ausgeglichen. Eine Transformation hin zu einer elektrifizierten, emissionsarmen Wirtschaft sei nicht nur machbar, sondern volkswirtschaftlich rentabel. "Die Energiewende würde uns reicher machen, nicht ärmer", so der Ökonom.
Gerade deshalb hält Krugman die Energiepolitik der USA für irrational. Symbolhaft dafür stehe die neue Werbefigur "Coalie", ein als Maskottchen getarnter Versuch, Kohle wieder salonfähig zu machen. Dabei seien die gesundheitlichen und ökologischen Schäden des Rohstoffs bestens dokumentiert: Zwischen 1999 und 2020 hätten Kohlekraftwerke laut Studien Hunderttausende vorzeitige Todesfälle verursacht. Trotzdem setze Trump weiterhin auf fossile Brennstoffe, blockiere Netzausbauprogramme und schwäche staatliche Klima-Institutionen.
Hinter allem steckt ein System
Hinter dieser Politik sieht Krugman jedoch weniger ideologische Starrheit als ein System organisierter Einflussnahme. Seit Jahrzehnten hätten konservative Milliardäre wie die Brüder Charles und David Koch den republikanischen Machtapparat mit aufgebaut, die Justiz über den Einfluss der Federalist Society nach rechts verschoben und den fossilen Status quo verteidigt. Das Ziel: eine politische Infrastruktur, die klimapolitische Reformen dauerhaft erschwere und die Interessen der Öl- und Kohleindustrie schütze. Inzwischen spiele auch direkte Korruption eine Rolle, etwa durch die Verflechtung der Trump-Familie mit vermögenden Ölstaaten des Nahen Ostens.
Erstaunlich sei, so Krugman, dass selbst energieintensive Zukunftsbranchen wie die Kryptowährungs- und KI-Industrie bislang kaum Widerstand leisteten. Zwar litten sie unter steigenden Strompreisen und fehlender Versorgungssicherheit, doch profitierten viele Unternehmen von politischer Nähe zur Regierung. "Sonderbehandlungen und Deregulierung scheinen wichtiger zu sein als eine stabile Energiezukunft", meint der Nobelpreisträger.
Amerika schadet vor allem sich selbst
Trotz allem bleibt Krugman vorsichtig optimistisch. Die USA seien längst nicht mehr der dominante Verursacher globaler Emissionen. Europa, China und andere Schwellenländer treiben ihre Energiewenden voran, während Amerika vor allem sich selbst schade. "Das Ergebnis dieser Politik wird nicht das Scheitern des Klimaschutzes sein", schließt Krugman, "sondern ein Rückfall der Vereinigten Staaten in wirtschaftliche Rückständigkeit". Im globalen Wettlauf um saubere Technologien drohe die einstige Supermacht, den Anschluss endgültig zu verlieren. (hh)















