Die chinesische Regierung greift in der heimischen Wirtschaft durch. Dabei hat sie nicht nur für die großen Technologie-Konzerne im Land diverse Auflagen verschärft. Auch einige Immobilienunternehmen geraten durch die neuen staatlichen Eingriffe unter Druck. Das bekommt auch Hui Ka Yan, Gründer des hochverschuldeten chinesischen Immobilien- und Mischkonzerns Evergrande, zu spüren. Die Ratingagentur Fitch stufte zuletzt die Bonitätsbewertung für Evergrande und zwei Tochterunternehmen herab, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die langfristige Bonitätsnote lautet nun "CC". "Die Herabstufung spiegelt unsere Ansicht wider, dass ein Ausfall in irgendeiner Form wahrscheinlich erscheint", heißt es von Seiten der Ratingagentur. Fitch-Experten schätzen, dass der Konzern allein im September Zinszahlungen für Anleihen von 129 Millionen Dollar und vor Jahresende 850 Millionen Dollar leisten muss. 

Investoren fürchten bei einem Zusammenbruch von Evergrande Schockwellen für das chinesische Bankensystem. "Die riesige Bilanz wird einen echten Dominoeffekt auf China haben", warnt Nomura-Ökonom Ting Lu. Die Regierung in Peking fordert von Unternehmen wie Evergrande, die Bautätigkeit wieder aufzunehmen, Beteiligungen zu verkaufen und Kredite zu erneuern. Gleichzeitig erließ sie Hunderte neue Regeln und beschränkt die Kreditaufnahme sowie Grundstückskäufe, um für Abkühlung auf dem Häusermarkt zu sorgen, berichtet die SZ. Evergrande selbst hatte bereits vor einer Woche vor Ausfallrisiken gewarnt, aufgrund der neuen Anforderungen, die das Unternehmen unter Druck setzen.

Probleme ohne Ende
"Wir gehen davon aus, dass der Weg des Schuldenabbaus von Evergrande holprig sein wird, was zu hohen Preisnachlässen für Immobilienverkäufe und möglichen Veräußerungen von Vermögenswerten führen könnte", schreiben Goldman-Sachs-Analysten in einer aktuellen Studie. Hinzu kommt, dass der Preis für eine bis Mai 2023 laufende und mit 5,9 Prozent verzinste Anleihe des Unternehmens um weitere 2,8 Prozent nach einem Absturz von mehr als 50 Prozent seit vergangener Woche fiel. Auch die Anleihen anderer chinesischer Immobilienkonzerne verloren deutlich an Wert. (fp)