An den Anleihemärkten dürfte es 2020 schlechter laufen als im vergangenen Jahr, prophezeit Robert Tipp, Chefanlagestratege und Leiter des globalen Anleihebereichs bei PGIM Fixed Income. Trotzdem sollten Anleger in Rentenpapiere investiert bleiben, rät er. "Das mag zunächst seltsam klingen – vor allem, wenn man das Zinsniveau und die Spreads in den Industrieländern betrachtet. Dennoch dürften Anleihen auch weiterhin höhere Renditen liefern als Barmittel, und das trotz der allgemeinen Befürchtung, dass die Zinssätze bereits ihren Tiefstand erreicht haben und der Konjunkturzyklus dem Ende nah ist", sagt der Experte.

Niedrige Zinsen und unterdurchschnittliche Risikoaufschläge begleiten Anleiheinvestoren bereits seit längerem. Zuletzt sind sowohl die Spreads als auch die Zinsen sogar noch weiter gesunken – das hat Rentenanlegern in drei der vier vergangenen Jahre ordentliche Renditen beschert. Für ähnliche Entwicklungen gibt es nun zwar keinen Spielraum mehr, sagt Tipp. "Dennoch können die aktuellen Konditionen Anleihen treiben", betont er. Dafür müssten zwei Bedingungen erfüllt sein: anhaltend niedrige Zinsen und ein verlängerter Wirtschaftszyklus. "Nach unseren Prognosen für das Jahr 2020 ist dies erfüllt", erklärt der PGIM-Manager.

Aktives Anleihe-Management kann Mehrwert schaffen
Die Fundamentaldaten sprechen dafür, dass die Zinsen weiter tief bleiben, etwa die hohe Verschuldung vieler Volkswirtschaften und das langsamere Wirtschaftswachstum in China. Mit den Niedrigzinsen stützen die Zentralbanken den Wirtschaftszyklus nachhaltig, statt ihn wie in früheren Zeiten durch voreilige Zinsschritte abzuwürgen, urteilt Tipp. Für Rentenanleger heißt das: Sie müssen in Zukunft mit niedrigeren Renditen und engeren Spreads rechnen – bei steigender Volatilität. Aktive Manager können in diesem Umfeld gegenüber dem breiten Markt einen Mehrwert generieren, ist Tipp überzeugt. (fp)