Pandemien drücken tendenziell auf die Zinsen, zeigt eine Studie der ehemaligen Pimco-Berater Alan Taylor, Oscar Jorda und Sanjay Singh. Demnach hatten alle zwölf untersuchten Pandemien, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, lang andauernde Effekte auf die Zinskurven – die realen Zinsen blieben selbst Jahrzehnte nach dem Ende der Krise noch niedrig. Der Rendite-Rückgang spiegele schlechtere Investment-Chancen wieder, spekulieren die Autoren in ihrer Untersuchung. Als Ursache nennen sie überschüssiges Kapital bezogen auf die verbliebene verfügbare Arbeitskraft sowie den Wunsch, Kapital anzusparen, um dahingeschmolzenes Vermögen wiederaufzubauen.

Diesmal könnte allerdings alles anders kommen. Pimco-Chefökonom Joachim Fels sieht zwei große Unterschiede. Erstens: Frühere Pandemien dezimierten das Heer der Erwerbstätigen aufgrund vieler Todesopfer signifikant und führten so zu einem Mangel an Arbeitskräften relativ zum Kapital. "Das könnte zum Teil den Rückgang bei den Kapitalrenditen in den historischen Datensätzen erklären", sagt Fels. Im Gegensatz dazu seien die Mehrzahl der Corona-Opfer ältere Menschen, die ihr Erwerbsleben bereits beendet haben. Der Einfluss auf das reale Zinsniveau könnte deshalb kleiner sein als nach früheren Pandemien, glaubt der Ökonom.

Zweifel an der Nachhaltigkeit der Schulden
Der zweite Unterschied ist der gewaltige Umfang der fiskalpolitischen Reaktionen. "Diese fällt dieses Mal sehr groß aus, weil die Regierungen versuchen, die Einkommens- und Gesamtnachfrageverluste auszugleichen, die in Folge von Ausgangssperren und 'Social Distancing' entstanden sind", sagt Fels. Höhere Haushaltsdefizite könnten Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Schuldenniveaus schüren. Sollten die Regierungen nach dem Ende der Pandemie an der expansiven Fiskalpolitik festhalten, könnte das darüber hinaus die Inflationsraten erhöhen. "Das wiederum könnte die realen und nominalen Zinsen deutlich nach oben drücken", sagt der Ökonom. (fp)