Den Finanzmärkten könnte im Laufe der nächsten Jahre ein unsanftes Erwachen bevorstehen, warnt Andrew Bosomworth, Leiter Portfoliomanagement beim Fondsanbieter Pimco. "Die Weltwirtschaft ist im Wandel. Das Ende der Phase nach der Finanzkrise, die sich durch eine beachtliche Stabilität auszeichnete, naht", erklärt er. Die bevorstehenden Veränderungen könnten für Anleger eine große Herausforderung bedeuten.

Bosomworth erkennt eine Reihe langfristiger Risiken für die Finanzmärkte. Dazu gehören eine populistische Gegenreaktion im Hinblick auf den Kapitalismus, das Establishment und den freien Handel, ein Wandel in Richtung fiskalpolitische Expansion, ein durch eine geringere Abhängigkeit von den Zentralbanken gekennzeichnetes Marktumfeld, zunehmende geopolitische Konflikte und eine wahrscheinliche globale Rezession in den kommenden Jahren. In Italien sei vor kurzem bereits eine radikale Anti-Establishment-Regierung gewählt worden. "Auch die geopolitischen Risiken nehmen zu", sagt Bosomworth. 

EZB ist keine Stütze mehr
Bislang habe die Europäische Zentralbank (EZB) die Eurozone zusammengehalten. "Jedoch können Anleger künftig unter Umständen nicht mehr im selben Ausmaß auf die Notenbank zählen", warnt der Portfoliomanager. Schließlich nahe das Ende des Anleihekaufprogramms der EZB, dazu sorge der im Herbst anstehende Führungswechsel der EZB für Unsicherheit. Drittens dürfe es der Zentralbank zunehmend schwerfallen, den Marktstress durch den Kauf von Staatsanleihen zu lindern. 

"Summa summarum steht die Eurozone in Bezug auf den langfristigen Horizont vor einer großen Herausforderung, die sich auch auf den zyklischen Horizont ausweiten dürfte", sagt Bosomworth. Daher sei bei einer Anlage in Staatsanleihen der Peripherieländer der Eurozone sowie in Risikotiteln Vorsicht geboten. (fp)