Mit Blick auf europäische Aktien sollten sich Investoren mehr auf strukturelle Wachstumstreiber konzentrieren als auf kurzfristige Konjunktursorgen, argumentiert Robert Schramm-Fuchs, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, hoher Energiepreise und einer weiterhin restriktiven Geldpolitik sieht er Chancen für europäische Aktien.

Energie, Rohstoffe und Infrastruktur 
Zu den wichtigsten Investmentthemen zählt der Manager den globalen Wettbewerb um kritische Rohstoffe und Energieversorgung. Nach Jahren der Unterinvestition könnten Unternehmen entlang der Wertschöpfungsketten von Energie, Bergbau und industrieller Ausrüstung von einem längerfristigen Investitionszyklus profitieren. 

Gleichzeitig verstärke die europäische Politik ihre Unterstützung für strategisch wichtige Branchen. Neben erneuerbaren Energien nennt Janus Henderson insbesondere Industrieunternehmen, Verteidigung, Banken und ausgewählte Bereiche des verarbeitenden Gewerbes als potenzielle Profiteure einer stärker koordinierten Industriepolitik. 

KI verändert die Bewertungsmaßstäbe
Besonders hervor hebt Schramm-Fuchs die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) auf die Aktienmärkte. Nach seiner Einschätzung beginnt der Markt zunehmend zwischen Unternehmen zu unterscheiden, die KI erfolgreich in ihre Prozesse integrieren, und solchen, die weiterhin auf kostenintensive Verwaltungs- und Vertriebsstrukturen setzen. "Die Märkte belohnen die Unternehmen, die KI in Arbeitsabläufe, Produktivität und operativen Hebel einbetten", so der Portfoliomanager. 

Zugleich erfordere die Skalierung von KI enorme Investitionen in Rechenzentren, Stromnetze, Energieversorgung und digitale Infrastruktur – Bereiche, in denen Europa über zahlreiche spezialisierte Marktführer verfüge. 

Europa bietet mehr als schwaches Wachstum
Janus Henderson weist darauf hin, dass die Entwicklung europäischer Aktienmärkte nicht mit dem europäischen Wirtschaftswachstum gleichgesetzt werden dürfe. Viele europäische Unternehmen seien global tätig und profitierten von langfristigen Strukturtrends unabhängig von der Konjunkturentwicklung in Europa. 

Nach Ansicht des Hauses unterschätzen viele Anleger daher das Potenzial europäischer Aktien. Chancen ergäben sich insbesondere dort, wo politische Unterstützung, Investitionszyklen und technologische Innovation zusammentreffen. 

Risiken bleiben präsent
Gleichzeitig warnt Janus Henderson vor anhaltenden Risiken. Dazu zählen eine mögliche Eskalation geopolitischer Konflikte, energiegetriebene Inflation sowie länger anhaltend hohe Zinsen. Dennoch sieht der Asset Manager die Chancen in Europa derzeit als widerstandsfähiger und vielfältiger an, als es die aktuelle Nachrichtenlage vermuten lasse. (dv)