Die wachsenden Spannungen zwischen China und Taiwan sollten nach Einschätzung von Moventum Asset Management auch Investoren stärker beschäftigen. Vor allem die große Bedeutung Taiwans für die weltweite Halbleiterproduktion mache eine Eskalation zu einem erheblichen Risiko für die Kapitalmärkte. "Eine Taiwan-Krise ist eines der größten Risiken für die globalen Finanzmärkte", warnt Thorsten Fischer, Managing Director und Head of Portfolio Management bei Moventum AM.

Nach Einschätzung Fischers verfolgt Peking derzeit eine Strategie, den Druck auf Taiwan schrittweise zu erhöhen, ohne eine offene militärische Konfrontation zu riskieren. Neben Militärübungen gehörten dazu verstärkte Aktivitäten der Küstenwache, Cyberangriffe sowie Maßnahmen zur Kontrolle des Schiffsverkehrs rund um die Insel. "Pekings Ziel ist offenbar kein klassischer militärischer Schlag, sondern ein Sieg unterhalb der Kriegsschwelle", so Fischer in einem Kommentar.

Risiko Halbleiterabhängigkeit
Aus Sicht von Moventum liegt die eigentliche Gefahr für Anleger weniger in den politischen Spannungen selbst als in deren möglichen Folgen für die globalen Lieferketten. Taiwan nimmt insbesondere bei der Fertigung hochentwickelter Halbleiter eine Schlüsselrolle ein. Eine wirtschaftliche Blockade oder andere Einschränkungen des Warenverkehrs könnten die Technologiebranche weltweit erheblich belasten und die Abhängigkeit vieler Portfolios von einzelnen Regionen offenlegen.

Als mögliches Szenario nennt Moventum eine wirtschaftliche Abschottung der Insel. Statt einer militärischen Invasion könnte China versuchen, den Luft- und Schiffsverkehr nach Taiwan zu kontrollieren oder einzuschränken. Eine solche Entwicklung wäre nach Einschätzung Fischers für die USA schwieriger zu beantworten als ein klassischer militärischer Angriff und könnte die Unsicherheit an den Finanzmärkten deutlich erhöhen.

Diversifikation gewinnt an Bedeutung
Für Investoren leitet Moventum daraus Konsequenzen für die Portfolioallokation ab. "Wer stark auf Technologiewerte mit Taiwan-Exposure setzt, sollte Diversifikation, alternative Halbleiterstandorte und geopolitische Absicherungsstrategien stärker berücksichtigen", empfiehlt Fischer. Entscheidend werde sein, ob Abschreckung und Diplomatie eine weitere Eskalation verhindern und damit die Stabilität der globalen Lieferketten sichern können.

Nach Einschätzung von Moventum dürfte die geopolitische Dimension bei Technologieinvestitionen künftig eine größere Rolle spielen. Mit dem anhaltenden KI-Boom und der steigenden Nachfrage nach Hochleistungschips wachse zugleich die Bedeutung Taiwans für die Weltwirtschaft – und damit auch das Konzentrationsrisiko für Anleger. (dv)