Portfoliomanager: Dieses Land ist ein Markt für aktive Anleger
Die strukturellen Verschiebungen in Chinas Wirtschaft können Anleger mit aktiven Strategien besser nutzen als mit passiven Ansätzen. China-Experte Bin Shi von UBS AM erklärt, warum das so ist.
Einfach auf den breiten Markt zu setzen, könnte in China der falsche Weg sein. Das jedenfalls glaubt Bin Shi, Head of China Equities bei UBS Asset Management. Chinesische Aktien befinden sich seiner Meinung nach am Beginn eines strukturell neuen Wachstumszyklus. Aktive Titelauswahl sei in diesem Umfeld gefragt.
Struktureller Wandel statt zyklischer Erholung
Die Entwicklung des chinesischen Aktienmarkts sei zunehmend von starken Unterschieden zwischen Sektoren und Unternehmen geprägt, so Bin Shi. Ein solches Umfeld begünstige aktives Management.
Technologieunternehmen profitieren demnach von der globalen KI-Nachfrage, während traditionelle Sektoren stärker unter Druck geraten. Das bringe Verschiebungen mit sich: von Immobilien hin zu Technologie, Energieinfrastruktur und strategischen Zukunftsindustrien. "Für Anleger bedeutet das, dass es keine schlüssige Strategie mehr ist, einfach nur breit in China investiert zu sein", so der Experte. In einem Markt, der sich strukturell neu ordnet, sei die passive Abbildung von Indizes zunehmend problematisch, da Anleger damit sowohl die Gewinner von morgen als auch die Verlierer von gestern gleichzeitig halten.
Chancen in Healthcare, KI und IPOs
Bin Shi sieht insbesondere in drei Bereichen langfristig attraktive strukturelle Chancen: im global wettbewerbsfähigen chinesischen Produktionssektor, im Gesundheitswesen sowie bei der Kommerzialisierung von KI. Gerade im Gesundheitssektor profitieren chinesische Unternehmen von deutlichen Kostenvorteilen in der klinischen Entwicklung und einer wachsenden Rolle in globalen Pharmalieferketten. Auch der IPO-Markt in Hongkong eröffne aktiven Managern zusätzliche Potenziale: "Unternehmen, die heute an die Börse gehen, könnten die Indexschwergewichte von morgen sein." Passive Investoren würden oft erst dann Zugang erhalten, wenn das Wachstum bereits weitgehend eingepreist ist.
Stock-Picking wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor
Laut Bin Shi wird die nächste Phase am chinesischen Aktienmarkt nicht mehr von Bewertungsanstiegen, sondern vor allem von Unternehmensgewinnen geprägt sein. "Das nächste Kapitel wird nicht von Investoren geschrieben, die breit auf China setzen, sondern von jenen, die gezielt und selektiv investieren", fasst er zusammen. (jh)




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