Jedes Quartal melden professionelle US-Investoren der US-Aufsichtsbehörde SEC ihre Holdings im sogenannten 13F-Report. Maik Komoss, Portfoliomanager des Vates Aktien USA, hat die öffentlichen Daten für das zweite Quartal analysiert – mit klarem Ergebnis: "Das Smart Money bleibt in Bewegung. Während die großen KI-Gewinner längst in fast jedem institutionellen Portfolio zu finden sind, suchen professionelle Investoren zunehmend nach Chancen in Segmenten, die der Markt zeitweise mit besonderer Skepsis betrachtet hat." Auffällig sei dabei vor allem das Interesse an Software- und Healthcare-Aktien.

Software-Aktien kehren zurück
Insbesondere die Trendwende bei Software-Aktien sticht hervor, wie Komoss erläutert: "Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde für weite Teile der Software-Branche der Weltuntergang ausgerufen. Künstliche Intelligenz, so die Befürchtung, könnte etablierte Geschäftsmodelle entwerten, Eintrittsbarrieren senken und ganze SaaS-Unternehmen unter Druck setzen." Die Folge waren teils heftige Kursverluste und deutlich schrumpfende Bewertungsmultiplikatoren.

Mittlerweile habe sich der Blick jedoch verändert. Die entscheidende Frage sei nun: "Welche Unternehmen können KI in besseres Wachstum, höhere Margen und stärkere Produkte übersetzen?" Genau hier scheint das institutionelle Interesse wieder anzusetzen. So etwa bei der Turnaround-Story um Unity Software und den Cloud-Spezialisten Twilio. Auf der Einkaufsliste steht auch die Datenplattform Snowflake. Komoss sagt: "Der gemeinsame Nenner lautet damit: Die Software-Branche wird nicht mehr pauschal abgestempelt – das Smart Money trennt wieder stärker zwischen schwachen und starken Geschäftsmodellen."

Wählerisch im Healthcare-Sektor
Noch breiter und zugleich heterogener präsentiert sich der Gesundheitssektor. "Healthcare ist eben kein einheitlicher Block. Hier treffen klassische Value-Aktien mit stabilen Cashflows auf hoch bewertete Wachstumsunternehmen, defensive Dienstleister auf innovative Diagnostik-Spezialisten."

Obwohl sich in den 13F-Daten zahlreiche Käufe im Gesundheitsbereich finden, zeigt sich laut Komoss ausgerechnet bei Pharma-Aktien – dem größten Subsegment – kein vergleichbar auffälliges Kaufinteresse. Sein Fazit: "Die Investoren setzen offenbar nicht auf den gesamten Sektor, sondern sehr gezielt auf einzelne Wertschöpfungsbereiche." Besonders die Krankenversicherer stehen weiterhin im Fokus. United Health und Humana waren bereits im ersten Quartal auf den Einkaufslisten professioneller Anleger – und bleiben auch im zweiten Quartal gefragt.

Fazit: Selektivität schlägt Sektorwette
Für Komoss ist das Bild eindeutig: "Top-Investoren kaufen nicht einfach blind Software oder Healthcare. Sie suchen gezielt nach Unternehmen, bei denen sich operative Entwicklungen verbessern, strukturelles Wachstum unterschätzt wird oder der Markt kurzfristige Risiken möglicherweise überzeichnet." Der rote Faden laute daher: "Keine pauschale Flucht in einen Sektor – sondern gezielte Wetten auf unterschätzte operative Stärke. Und genau dort versucht das Smart Money bekanntlich seit jeher, sein Alpha zu finden." (jh)