Portfoliomanager: Europäische Aktien relativ attraktiv, aber Euphorie?
Bis zu den Angriffen der USA und Israels auf den Iran hatten sich Aktien von Unternehmen aus Europa gut entwickelt. Von Euphorie war in den vergangenen Monaten dennoch wenig zu spüren, meint Christoph Mertens von der Fuggerbank. Gerade das könnte aber ein gutes Zeichen sein.
Nach Jahren relativer Schwäche hat Europa in den vergangenen Monaten eine spürbare Neubewertung durch internationale Anleger erlebt, einige Leitindizes bewegten sich vor den jüngsten Rücksetzern im Zuge des Iran-Kriegs im Bereich neuer Allzeithochs. Christoph Mertens, Portfoliomanager bei der Fürst Fugger Privatbank, sieht grundsätzlich weiterhin gute Chancen für europäische Aktien. Vor allem aus Bewertungsgründen, wie er in einem jüngst veröffentlichten Marktkommentar schreibt.
Investoren begrüßen breiten Branchenmix
Das zeige sich im Vergleich zu US-Aktien: "Europa gilt zwar nicht als billig, verglichen mit amerikanischen Aktien erscheint es aber im Verhältnis attraktiver – schon durch die niedrigeren Bewertungen", so Mertens. Gleichzeitig habe sich die Diskussion über eine mögliche Überbewertung KI-getriebener Aktien verstärkt.
"Investoren suchen eine breitere regionale und sektorale Streuung", sagt der Portfoliomanager. Europäische Märkte seien mit anderen Schwerpunkten wie Industrie, Finanzwerte, Energie, Gesundheit oder Verteidigung breiter aufgestellt und so weniger abhängig von einzelnen Technologietrends. Dazu seien zuletzt positive konjunkturelle Signale gekommen. Weitere Unterstützung böten die verschiedenen europäischen Fiskalprogramme.
Relative Attraktivität
Mertens erkennt kein Boom-Szenario für Europa, aber Verbesserungstendenzen. Die Marktbewegungen der vergangenen Monate basierten daher auch nicht auf Euphorie, sondern auf nüchternem Vergleich. Er sieht eine sukzessive Umschichtung aufgrund von Bewertungsunterschieden, einer breiteren Risikostreuung und staatlichen Impulsen. Mertens: "Europa profitiert von dieser relativen Attraktivität, nicht von Euphorie." (jh)















