Der globale Umbau der Energieversorgung wird zunehmend von Elektrifizierung, Versorgungssicherheit und dem steigenden Strombedarf durch künstliche Intelligenz und Rechenzentren getrieben, schreibt Tal Lomnitzer, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors, in einem Marktausblick.

Besonders positiv beurteilt der Asset Manager Batteriespeicher. Diese würden zu einem zentralen Baustein der Energiewende, da sie schwankende erneuerbare Energien in verlässliche Stromversorgung umwandeln könnten. "Batteriespeicher stechen in vielen Szenarien hervor, gestützt durch die Anforderungen an die Netzstabilität, die Wirtschaftlichkeit der Stromsicherung durch erneuerbare Energien und die steigende Stromnachfrage", so Lomnitzer. Unterstützt werde der Sektor durch sinkende Technologiekosten und stark steigende Kapazitäten. Höhere Gaspreise und geopolitische Unsicherheiten erhöhten die Nachfrage nach einer zuverlässigen Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen, beispielsweise durch Solarenergie in Kombination mit Stromspeichern. In einigen Märkten zeichne sich inzwischen eine "Prämie für grüne Versorgungssicherheit" ab.

Auch Netzinfrastruktur zählt für Janus Henderson zu den bevorzugten Teilsektoren. Der zunehmende Strombedarf durch Elektrifizierung, Industrieumbau und Rechenzentren mache massive Investitionen in Übertragungs- und Verteilnetze notwendig. Netzbetreiber und Infrastrukturunternehmen könnten dadurch über Jahre von strukturellem Wachstum profitieren.

Wachsende Nachfrage nach kritischen Rohstoffen 
Darüber hinaus sieht der Asset Manager langfristige Chancen bei Kernenergie und kritischen Rohstoffen. Mehrere große Volkswirtschaften bauten ihre Atomkraftkapazitäten wieder aus. Japan wolle den Anteil der Kernenergie bis 2030 deutlich steigern, China plane einen massiven Ausbau seiner Reaktorkapazitäten, und auch die USA setzten wieder stärker auf Atomkraft. Vor diesem Hintergrund dürfte die Nachfrage nach Uran steigen, während das Angebot begrenzt bleibe.

Produzenten kritischer Metalle wie Kupfer, Lithium, Graphit und Seltene Erden profitieren laut Lomnitzer von einer "Phase länger anhaltend hoher Preise" und einem bevorstehenden "mehrjährigen Zyklus". Diese Rohstoffe seien unverzichtbar für Elektrifizierung, Batteriespeicher und Stromnetze. Gleichzeitig entstünden durch geopolitische Spannungen und Chinas dominante Stellung in der Verarbeitung neue strategische Abhängigkeiten. Laut Lomnitzer könnten deshalb über längere Zeit höhere Rohstoffpreise notwendig sein, um ausreichende Investitionen in neue Förderkapazitäten anzustoßen.

Vorsicht bei bestimmten Teilsektoren 
Trotz des strukturell positiven Hintergrunds sieht Lomnitzer auch Risiken, die Selektivität und Kapitaldisziplin erfordern. Weniger attraktiv erscheinen dem Asset Manager Teile des Offshore-Windsektors. Dort blieben Margendruck, hohe Finanzierungskosten und operative Risiken erheblich. Pessimistisch sieht Lomnitzer die Zukunft bestimmter Teilsektoren, etwa die US-amerikanischen Upstream-Ölproduzenten. 

Der strukturelle Hintergrund für die bevorzugten Teilsektoren bleibt laut Lomnitzer robust. Geopolitische Spannungen, höhere Gaspreise und die Abhängigkeit vieler Volkswirtschaften von Energieimporten erhöhten weltweit den politischen Druck zum Ausbau heimischer Energiequellen. Europa verstärke seine Förderprogramme für Wind- und Solarenergie, China halte an massiven Investitionen in erneuerbare Energien fest, und auch die USA unterstützten weiterhin Technologien wie Solarenergie und Batteriespeicher. (dv)