Portfoliomanager: Was Anleger bei KI-Anleihen beachten sollten
Die großen Hyperscaler finanzieren ihre Megainvestitionen zunehmend über Anleihen. Doch am Rentenmarkt gelten andere Spielregeln als am Aktienmarkt. Timo Steinbusch von der Apobank erklärt, worauf Anleger achten sollten.
Der KI-Boom entwickelt sich zunehmend von einer reinen Software- und Wachstumsstory zu einem kapitalintensiven Infrastrukturthema – und somit zu einem Thema der Anleihenmärkte. Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Netzinfrastruktur verändern auch den Markt für Unternehmensanleihen. "Für Anleger rücken damit Finanzierungsquellen, Laufzeiten und versteckte Konzentrationsrisiken stärker in den Fokus", sagt Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der Apobank.
Schuldenfinanzierte Zukunftsträume
Die aktuelle Schuldenwelle fällt mit einem historischen Investitionsschub zusammen, so Steinbusch. Damit werde aus der Technologiestory zunehmend eine Kreditmarktstory. Allerdings ticken Aktien- und Anleihenmarkt grundsätzlich anders: "Der Aktienmarkt fragt, wie groß die Chancen der künstlichen Intelligenz sind. Der Kreditmarkt stellt inzwischen die unbequemere Frage: Wer bezahlt die Rechnung?"
Die nächste Phase des KI-Booms wird nach Steinbuschs Einschätzung nicht auf der Produktbühne entschieden, sondern in der Kapitalflussrechnung: "Entscheidend ist, wer seine Milliardeninvestitionen in nachhaltigen freien Cashflow verwandeln kann und wer dauerhaft auf neues Kapital angewiesen bleibt."
Risikoprämien und Klumpenrisiken
Bei den finanzstärksten Hyperscalern stehe aber nicht das Ausfallrisiko im Vordergrund, sondern die Frage, wie viel zusätzliches Anleihenangebot der Markt aufnehmen kann, ohne deutlich höhere Risikoprämien zu verlangen. "Ein sehr guter Schuldner ist nicht automatisch auch eine gute Anleihe", so Steinbusch: "Hohe Bonität schützt Anleger nicht vor Kursverlusten, die durch lange Laufzeiten, steigende Zinsen oder ein Überangebot an Neuemissionen entstehen können."
Dazu kommt ein weiteres Problem: Viele Anleger seien denselben KI-Konzernen schließlich an mehreren Stellen ausgesetzt: über Welt-ETFs als Aktionäre und über Unternehmensanleihefonds als Gläubiger. Dazu Steinbusch: "Diese Überlappung bleibt häufig unbemerkt. In Stressphasen kann sie auf beiden Seiten gleichzeitig wirken und wirtschaftliche Klumpenrisiken verstärken."
Er hält nichts davon, KI-bezogene Anleihen pauschal zu meiden, aber er rät zu selektiverem Vorgehen: eher Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren als von 30 Jahren, Qualität vor Kupon und ein einheitliches Risikolimit über Aktien, Anleihen und alternative Anlagen hinweg. (jh)




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