Portfoliomanagerin: Warum Gold in der Krise schwächelt
Es ist nicht die erste Krise, in der Gold Schwächen zeigt. Van-Eck-Expertin Imaru Casanova ist davon nicht überrascht – und bleibt trotzdem langfristig zuversichtlich für das Edelmetall.
Trotz der Eskalation der geopolitischen Spannungen hat der Goldpreis nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs erst einmal nachgegeben. "Diese Art der Kursentwicklung mag kontraintuitiv erscheinen, ist aber in Krisenzeiten nicht ungewöhnlich", sagt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin Gold und Edelmetalle bei Van Eck. Sie erklärt, warum Gold seinen Siegeszug bald wieder fortsetzen dürfte.
Krisenwährung in der Krise
Die Analystin erinnert dabei an frühere Krisen: So sackte der Goldpreis zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 und erneut in der Anfangsphase der Pandemie im Jahr 2020 stark ab. In beiden Fällen wurde die anfängliche Reaktion durch Liquiditätsbedarf, steigende Zinsen und einen stärkeren Dollar ausgelöst, so Casanova. "Auch wenn jeder dieser Zeiträume von unterschiedlichen grundlegenden Bedingungen geprägt war, so zeigten sie doch, dass Gold in der Anfangsphase größerer globaler Verwerfungen Volatilität erfahren kann."
Die aktuelle Krise bringe einen neuen Ölpreisschock und ein neues geopolitisches Risiko mit sich. Die Inflationssorgen, höhere Renditen, stärkerer Dollar und der restriktivere Ausblick der US-Notenbank würden Gold vor allem kurzfristig belasten. "Gleichzeitig hat Gold seit 2024 stark zugelegt, weshalb ein gewisses Maß an Gewinnmitnahmen nicht überraschend sein sollte", so Casanova. Die Zentralbanken sieht sie als wichtigen Motor für die langfristige Goldnachfrage. Der allgemeine Trend zur Diversifizierung der Reserven, insbesondere weg vom US-Dollar, bleibe intakt.
"Rückkehr zur vertrauten Unsicherheit"
Mit Blick nach vorne dürfte das globale Umfeld nach Casanovas Einschätzung aber früher oder später wieder zu "einem vertrauten Niveau der Unsicherheit" zurückkehren. Die USA würden sich weiterhin mit hohen Defiziten und steigenden Schuldendienstkosten konfrontiert sehen, während die Bemühungen vieler Länder, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, weiterhin andauern. Vor diesem Hintergrund – meint die Expertin – seien die langfristigen Perspektiven für Gold noch völlig intakt. (jh)














