Nachdem Griechenland seit Januar mit seinen Geldgebern im Clinch liegt, hat Portugal Bonds mit längeren Laufzeiten begeben und seine Schuldenlast für die nächsten drei Jahre reduziert. Die Regierung hat genügend liquide Mittel aufgebaut, um den Zahlungsverpflichtungen bis Ende des Jahres nachkommen zu können. Im März leistete sie eine vorzeitige Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds und nutzte die sinkenden Fremdkapitalkosten, nachdem die Europäische Zentralbank ein Bondkaufprogramm angekündigt hat.

"Portugal wird nicht unvorbereitet in eine Notfallsituation kommen", sagte Ministerpräsident Pedro Passos Coelho in Oporto in der vergangenen Woche. "Wir sind auf jeglichen Situationen mit größerer Volatilität vorbereitet."
Nachdem Griechenland das Geld auszugehen droht und die Gefahr besteht, dass es Zahlungen an den IWF am 30. Juni nicht leisten kann, will Portugal auf jeden Fall sicher stellen, dass es nicht von einer weiteren, von Athen ausgehenden Schuldenkrise nach unten gezogen wird. Das Land musste 2011 ein Hilfspaket beantragen, wie schon zuvor Griechenland und Irland.

Angela Merkel lobt Portugals Reformanstrengungen
Die portugiesischen Schulden sind weiterhin höher als das Bruttoinlandsprodukt, höher als 2011 und das Land wird von den drei wichtigen Ratingagenturen nach wie vor mit "Ramsch" eingestuft. Jedoch beschleunigt sich das Wirtschaftswachstum und Unternehmenschefs berichten, dass die Kreditmärkte funktionieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in dieser Woche Portugal als ein Land gelobt, das nach dem Prinzip Hilfe im Gegenzug zu eigenen Anstrengungen wieder auf eigenen Beinen stehe. Sie forderte Griechenland auf, dem Beispiel zu folgen.

"Der Markt funktioniert, sowohl der Banken- als auch der Fremdkapitalmarkt", sagt Jose Freire, Chief Operating Officer beim portugiesischen Verleger und Sender Impresa SGPS SA. "In den Jahren 2011-2012 waren beide dicht. Gegenwärtig ist der Markt normal, es gab nur einen leichten Anstieg der Zinsen für längere Laufzeiten."

Zehnjährige portugiesische Bonds rentieren am Montag bei 2,90 Prozent, etwa doppelt so hoch wie am 12. März, als Investoren einige festverzinsliche Papiere abgestoßen haben und das Tauziehen zwischen Griechenland und seinen Geldgebern sich hinzog. Die Rendite war 2012 auf mehr als 18 Prozent geklettert.

Bei Griechenland-Pleite: "Verteidigungslinie" ist aufgebaut
Sollten die Fremdkapitalkosten schwerer zu halten sein, hat die EZB einen größeren Spielraum für Interventionen, sagt Cristina Casalinho, Leiterin der portugiesischen Schuldenagentur Agência de Gestão da Tesouraria e da Dívida Pública (IGCP). Portugal hat auch seine eigene "Verteidigungslinie" aufgebaut, erläutert sie.

"Der Mechanismus zum Schutz europäischer Staaten ist nun komplett anders als in der Vergangenheit", sagte Casalinho in einem Interview mit SIC Noticias in dieser Woche. "Manchmal glauben die Leute, wir werden zu einer Situation wie im Jahr 2011 zurückkehren."

Unternehmen profitieren ebenfalls. EDP-Energias de Portugal SA, Portugals größter Energieversorger, hat im April 750 Millionen Euro über die Emission einer 10-jährigen Anleihe beschafft. Die Papiere rentieren nun bei 3,49 Prozent verglichen mit 2,05 Prozent am ersten Handelstag. Trotz der jüngsten Volatilität am Markt "ist die Lage nun völlig anders", sagte EDP-Finanzvorstand Nuno Alves.

Die Regierung rechnet mit einer Beschleunigung des Wachstums. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 1,6 Prozent und 2016 um 2 Prozent expandieren wird und die dreijährige Rezession hinter sich lassen wird. Die Europäische Kommission sagte am 5. Mai, dass die portugiesische Schuldenquote 2014 den Gipfel bei 130,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt erreichte.

Portugal hatte damit begonnen, liquide Mittel einzusammeln bevor das dreijährige Hilfsprogramm im Mai 2014 endete. Die Regierung rechnet damit, Ende 2015 9,8 Milliarden Euro zur Verfügung zu haben, so dass das Land jegliche Volatilität an den Märkten verkraften kann, sagte Coelho.

"Vor vier Jahren wurde darauf gewettet, dass Portugal Griechenland folgen würde", sagte Freire. "Aber das ist nicht passiert. Portugal hat es geschafft, hat die Wirtschaft umstrukturiert, und davon profitieren wir derzeit." (cf/bloomberg)