Von Frankfurt bis New York steigen die Aktienkurse – nicht zuletzt, weil immer mehr Kleinanleger an die Börse stürmen. Das ist selbst im "Aktien-Mutterland" Amerika so: Vor zehn Jahren hantierten erst rund zehn Prozent aller US-Privathaushalte regelmäßig mit Dividendenpapieren, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) aus einer Studie des Analysehauses Bloomberg Intelligence. Zu Beginn des Jahres machten sie bereits 23 Prozent des Aktienhandels in den USA aus. Auch die neuen milliardenschweren Corona-Hilfen der Biden-Regierung will die US-amerikanische Bevölkerung größtenteils in Aktien investieren, berichtet die Zeitung. Nach einer Umfrage der Deutschen Bank planen US-Bürger, rund 37 Prozent der Hilfszahlungen an der Börse anzulegen.

"Der Überfluss an Cash bei den US-Haushalten dürfte weiterhin das Benzin für den Börsenboom sein“, prophezeit Goldman-Aktienstratege David Kostin. Der Mann weiß, wovon er spricht: 2020 hatten Strategen der Investmentbank einen Index aus den 58 beliebtesten Privatanleger-Titeln zusammengestellt. Anfangs handelte es sich dabei nur um einen internen Gag für die eigenen Research-E-Mails, doch das Lachen ist den Geldprofis schon lange vergangen, so die SZ: Während der US-Leitindex S&P 500 seit dem Corona-Crash im vergangenen März um etwa 70 Prozent geklettert ist, hat der Sammelindex der Privatanleger-Lieblinge im selben Zeitraum bis Ende Februar ein Plus von 198 Prozent aufs Parkett gelegt.

Auch die sonst notorisch sparbuchverliebten Deutschen haben das Börsenparkett für sich entdeckt: Per Smartphone investieren sie in Aktien, die teilweise hochriskant sind, starken Schwankungen unterliegen oder bei geringem Einsatz einen großen Ertrag versprechen, schreibt die SZ.

Was Kleinanleger im Depot haben
Finanzprofis versuchen derweil aus diesen Trends Kapital zu schlagen. Auswertungen des Analysehauses Vanda Research, die der SZ vorliegen, zeigen: Im Frühsommer kauften viele Hobbyinvestoren Aktien, die von einer Öffnung der Wirtschaft profitieren wie Titel des Autovermieters Hertz oder der Kreuzfahrtlinie Carnival. Im Sommer konzentrierten sie sich auf Technologiewerte und im Herbst auf E-Auto-Aktien wie Tesla. (fp)