Private Fondsinvestoren, die selbstständig und ohne einen Berater ihre Anlageentscheidungen treffen, trennen sich derzeit in Scharen von dem Carmignac Patrimoine, dessen Performance zuletzt aber wieder nach oben drehte. Außerdem stoßen diese sogenannten Selbstentscheider aufgrund politischer Unruhen in den Ländern Türkei- und Thailand-Fonds ab, wie die Börse Frankfurt in ihrem aktuellen Wochenbericht schreibt.

Demnach stehe der ehemalige Publikumsliebling Carmignac Patrimoine ganz oben auf der Abgabeliste, wie Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler feststellt. "Da wird massiv verkauft." Große Positionen abgegeben würden auch im UniRak. Wie Matthias Präger von der Baader Bank beobachtet hat, steigen Investoren zudem aus dem Astra Fonds aus.

Zugegriffen wird laut Wöllnitz lediglich im Aramea Rendite Plus, ein Mischfonds, der vor allem auf Anleihen setzt und damit zuletzt ziemlich erfolgreich war: In den vergangenen drei Jahren wurde zum Beispiel eine Rendite von 11,52 Prozent im Jahr erzielt, der Carmignac Patrimoine kommt nur auf 2,75 Prozent im Jahr.

Kurseinbruch in Istanbul
Die politische Krise erschüttere zudem das Vertrauen der Selbstentscheider in das einstige Wirtschaftswunderland Türkei. So habe seit dem Hoch im Frühling vergangenen Jahres der Leitindex ISE 100 rund 27 Prozent an Wert eingebüßt. "Einige Fonds haben sogar 30 bis 40 Prozent verloren", bemerkt Wöllnitz. "Es ist ganz große Unsicherheit im Markt. Keiner will die Aktien mehr anfassen." Betroffen seien etwa der ESPA Stock Istanbul und der HSBC GIF Turkey Equity. Der Letztere verzeichnet auf Sicht von zwölf Monaten mittlerweile ein Minus von 36 Prozent.

Raus aus Thai-Aktien
Ebenfalls unter die Räder gekommen sind Wöllnitz zufolge Fonds mit thailändischen Aktien. Bereits seit Oktober wird immer wieder gegen Thailands Ministerpräsidentin protestiert. Das verschreckt Investoren. Verkauft wurden zum Beispiel der HSBC GIF Thai Equity und der Allianz Thailand Equity, wie Wöllnitz meldet. Der Fonds der Allianz hat auf Sicht von zwölf Monaten mittlerweile 29 Prozent verloren. "In den Fonds gab es zuletzt aber eine Gegenbewegung."

Präger zufolge wurden noch der Aberdeen Global Asian Smaller Companies und der Baring Hong Kong China verkauft, der FF China Focus von Fidelity hingegen gekauft. Osteuropäische Dividendentitel werden ebenfalls abgestoßen. "Das hängt wahrscheinlich mit den Anschlägen im Vorfeld der olympischen Winterspiele in Sotschi zusammen", meint Wöllnitz.

Glattstellungen
Nach hohen Umsätzen Ende 20013, die auf Gewinnmitnahmen aufgrund der Hohenflüge an den Börsen beruhten, hat sich das Handelsaufkommen am Fondsparket der Börse Frankfurt in der vergangenem Woche insgesamt wieder beruhigt. Die Anleger kaufen auch wieder, wie die Händler der beiden an der Börse tätigen Market Maker von der Baader Bank und von IFC Kursmakler berichteten.

Viel Anleger haben sich aber insbesondere betreffend der Industrieländeraktien erneut zu Gewinnmitnahmen entschlossen. Präger zufolge verabschiedeten sie sich etwa von den beiden auf deutsche Aktien setzenden Fonds DWS Investa und DWS Aktien Strategie Deutschland sowie vom international investierenden Carmignac Investissement.

Wöllnitz berichtet von hohen Abflüssen aus dem Nebenwertefonds Standard Life SICAV Euro Smaller Companies. Zuflüsse gibt es laut Präger etwa im Allianz Nebenwerte Deutschland, im Baring German Growth Trust mit deutschen Aktien sowie im internationalen DWS Top Dividende.

Zu den Besonderheiten des Börsenhandels mit aktiv gemanagten Fonds lesen auch den Artikel "Schrumpfende Marktnische" in der aktuellen Ausgabe von FONDS professionell (Link hier; Anmeldung erforderlich). (jb)