"Wir raten Investoren, die aktuelle Marktphase mit viel Aufmerksamkeit zu beobachten",  erklärte Heike Arbter, Managing Director und Head of Structured Products bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) anlässlich eines Marktausblicks am Aschermittwoch in Wien. Arbter, die auch Vorstandsvorsitzende des Zertifikate Forum Austria ist, brach bei dieser Gelegenheit eine Lanze für Zertifikate: "Gerade Zertifikate ermöglichen Investoren interessante Chancen und Auszahlungsprofile. Aufgrund ihrer vielseitigen Ausgestaltungsform gepaart mit guten Ertragschancen bieten Zertifikate in jeder Marktsituation eine Möglichkeit, Sicherheit ins Portfolio zu holen." Arbter betonte, dass Investoren nicht nur aufgrund derzeit niedrigerer Kurse fast aller Basiswerte, sondern auch wegen höherer impliziter Volatilitäten zahlreiche strukturierte Finanzprodukte zu vorteilhafteren Chancen-/Risiko-Verhältnissen respektive Konditionen erwerben könnten.  

Sollen Anleger ins fallende Messer greifen?
Dieser Frage ging Mag. Stefan Maxian, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank, in seinem anschließenden Vortrag nach. Maxian wies am Anfang bei einem Performance-Vergleich verschiedenster Marktsegmente darauf hin, dass relativ unbemerkt von vielen Marktteilnehmern der CECE-Index (Central European Clearinghouses & Exchanges Index; dieser umfasst führende polnische, ungarische und tschechischen Unternehmen) seit Jahresanfang wenig verlor als große Aktienindizes wie Dax, Eurostoxx 50 oder auch der ATX und damit relative Stärke zeigte.

Nach einer Aufzählung diverser Aktien-Belastungsfaktoren wie China, Ölpreis, Masseneinwanderung nach Euroland und ausbleibende Stützungskäufe von Staatsfonds, die sich wohl aufgrund eigener Finanzierungslücken aufgrund niedrigerer Ölpreise auf die Verkäuferseite begeben haben, thematisierte Maxian das derzeitige Investoren-Sentiment. So erreichen die Differenzen zwischen Bullen und Bären respektive die daraus berechneten Standardabweichungen derzeit Niveaus, die zuletzt am Höhepunkt der Finanzkrise 2008/09 gemessen wurden (siehe Grafik 1).

Der RCB-Mann wies daher mit Blick auf den S&P 500 Index darauf hin, dass auf eine dermaßen schlechte Stimmung jedenfalls in der Vergangenheit oftmals eine Phase überdurchschnittlich stark steigender Aktienkurse folgte (siehe Grafik 2).

Unterstützung erhalten laut Maxian Aktienmärke von einer fundamentalen Bewertung, die – sofern keine Rezession eintritt – in den USA zumindest als fair und in Europa als unterdurchschnittlich zu bezeichnen sei – zumindest vor dem Hintergrund extrem niedriger Zinsen.

Der derzeit niedrige Ölpreis führe zwar nach Ansicht Maxians kurzfristig zu Belastungen über die in den Sparmodus gewechselte Öl- und Gasindustrie, sollte aber mittel- bis langfristig über eine spürbare Entlastung bei den Treib- und Energiekosten für eine steigende Kaufkraft bei Konsumenten sorgen und damit der Wirtschaft zeitverzögert einen entscheidenden Impuls geben (siehe Grafik 3).

Fazit: Anleger und deren Berater sollten sich nicht vom Aktienmarkt verabschieden und gerade in turbulenten Zeiten Positionen aufbauen, um beispielsweise von den inzwischen wieder interessant gewordenen Dividendenrenditen zu profitieren. (aa)
 
1455526681.jpgDas Investorensentiment ist im Keller. Das könnte der Grundstein für zumindest eine Bärenmarkt-Rally sein - oder gar der Beginn einer neuen Hausse.
 
1455526688.jpgAuf schlechte Stimmung folgen historisch gesehen oftmals lukrative Börsenzeiten.
 
1455526694.jpgIn der Vergangenheit war ein niedriger Ölpreis ein Segen sowohl für den Konsumenten als auch die meisten Branchen und sorgte für eine stärkere Konjunktur.