Der Ton wird schärfer: Die Ratingagentur Moody’s kann sich vorstellen, die Kreditwürdigkeit Chinas noch weiter herabzustufen. Die Strukturreformen der chinesischen Regierung genügen voraussichtlich nicht, um die steigende Verschuldung zu stoppen, sagte Moody’s-Vertreterin Marie Diron nach einem Bericht von Reuters.

Die Ratingagentur hatte Chinas Bonitätsnote am Mittwoch zum ersten Mal seit 28 Jahren gesenkt, von Aa3 auf A1. Die Analysten begründeten diesen Schritt nicht nur mit dem stark wachsenden Schuldenberg der Volksrepublik, sondern auch mit dem langsameren Wirtschaftswachstum.

Peking übte heftige Kritik an der Herabstufung. Nur wenige Stunden nach der Moody’s-Entscheidung erklärte das chinesische Finanzministerium, die Agentur habe zwei grundsätzliche Fehler begangen: Sie habe Chinas Wirtschaftsprobleme über- und die Reformfähigkeiten der chinesischen Regierung unterschätzt. Das Schuldenrisiko habe sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert und werde bis 2020 in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben. Möglich, dass sich Moody’s daraufhin genötigt sah, nachzulegen.

Anleger bleiben gelassen
Für Vermögensprofis kam die Herabstufung nicht überraschend. Sie dürfte außerdem nur begrenzte Wirkung haben, erklärt Leo Hu, Portfoliomanager beim Fondsanbieter NN Investment Partners (NNIP). "Neben den unbestreitbaren Stärken der chinesischen Wirtschaft, die auch die Ratingagentur einräumt, sollte man nicht vergessen, dass Chinas Auslandsverschuldung im internationalen Vergleich niedrig ist", sagt er.

Investoren haben bisher gelassen auf die schlechtere Bonitätsnote reagiert. Entscheidender dürfte für sie der 19. Nationale Volkskongress im Herbst sein. "Es ist anzunehmen, dass die Regierung um einen reibungslosen Führungswechsel und um den Erhalt eines stabilen volkswirtschaftlichen Umfelds bemüht sein wird", sagt Hu. Nach dem Volkskongress wird China voraussichtlich weitere Wirtschaftsreformen in Angriff nehmen. (fp)