Regeln statt Emotionen: Wieso Momentum-Strategien ins Umfeld passen
Im aktuellen dynamischen Marktumfeld können Trendfolgestrategien ihre Stärken ausspielen. Zugleich machen häufigere und schnellere Trendwechsel ihre Anwendung anspruchsvoller. Oddo BHF AM betont die Bedeutung eines streng systematischen Ansatzes und eines diversifizierten Portfolios.
Immer kürzere Innovationszyklen, geopolitische Spannungen, politische Richtungswechsel und Handelskonflikte verändern die Kapitalmärkte. Besonders im Technologie- und KI-Sektor wird es für Investoren zunehmend schwieriger, die künftigen Gewinner mit klassischen Fundamentalanalysen vorherzusagen. Gerade in diesem Umfeld gewinnen systematische Momentum-Strategien wieder an Bedeutung, argumentiert Steffen Fuchs, Senior Quantitative Portfolio Manager bei Oddo BHF Asset Management, in einem Marktkommentar.
Momentum-Strategien basieren auf einem einfachen Prinzip: Aktien, die zuletzt gut gelaufen sind, setzen ihren positiven Trend häufig fort, während schwache Titel oft weiter unter Druck bleiben. Ziel ist es, diese Trends systematisch zu identifizieren und auszunutzen. "Momentum beschreibt ein Phänomen, das so einfach wie wirkungsvoll ist: Aktienmärkte bewegen sich in Trends", schreibt Fuchs.
Beständiger Renditetreiber seit über 150 Jahren
Nach Einschätzung von Oddo BHF AM zählt Momentum zu den robustesten Renditefaktoren überhaupt. Der Ansatz habe über lange Zeiträume und unterschiedliche Marktphasen hinweg beständig Mehrwert geliefert.
"Momentum ist keine vorübergehende Anomalie, sondern seit über 150 Jahren ein beständiger Renditetreiber", betont Fuchs. In den vergangenen 50 Jahren hätten Momentum-Strategien in jedem Jahrzehnt einen Zusatzertrag gegenüber dem MSCI World erzielt, trotz völlig unterschiedlicher Marktregime.
Die Erklärung dafür liegt laut Oddo BHF AM vor allem im Verhalten der Anleger. Psychologische Muster wie Herdenverhalten, Selbstüberschätzung oder die Angst, Chancen zu verpassen, führten regelmäßig zu vorhersehbaren Marktbewegungen. Anleger reagierten häufig zunächst zu langsam auf neue Informationen und später übertrieben stark, sobald sich Trends etablierten.
Quelle: Oddo BHF AM SAS, Bloomberg, Morningstar; Net Return in US-Dollar mit Stand 31. März 2026
KI-Boom verstärkt Momentum-Effekte
Besonders sichtbar wurde dieser Effekt zuletzt im Technologie- und KI-Sektor. Die Hoffnung, den "nächsten großen Gewinner" nicht zu verpassen, habe zu einer starken Konzentration auf wenige populäre Aktien geführt.
"Solche blasenähnlichen Marktphasen erhöhen die Kursstreuung und schaffen ein günstiges Umfeld für Momentum-Strategien", so Fuchs. Genau diese Verhaltensmuster könnten systematische Modelle ausnutzen, ohne selbst emotional beeinflusst zu werden.
Allerdings seien die Märkte zuletzt auch deutlich schwieriger geworden. Geopolitische Spannungen, abrupte politische Richtungswechsel und rasche Veränderungen in den Handelsbeziehungen führten immer häufiger zu plötzlichen Trendwechseln und starken Rotationen zwischen Marktsegmenten. "Dieses anspruchsvolle Umfeld erschwert Investoren die Festlegung der passenden Positionierung und stellt insbesondere Trendfolgestrategien vor Herausforderungen", schreibt der Quant-Experte.
Verhaltensfehler vermeiden
Entscheidend sei deshalb ein konsequent systematischer Ansatz. Eine funktionierende Momentum-Strategie müsse datenbasiert arbeiten und menschliche Emotionen möglichst vollständig ausschalten.
"Regeln vor Emotionen" müsse das zentrale Grundprinzip jedes Momentum-Ansatzes sein, fordert Fuchs. Gerade in volatilen Marktphasen verstärkten sich jene Verhaltensfehler, die Momentum überhaupt erst erzeugten. Anleger reagierten überhastet auf kurzfristige Verluste, Analysten passten Prognosen oft nur verzögert an, und selbst erfahrene Portfoliomanager hielten mitunter zu lange an überholten Einschätzungen fest.
Eine gut konzipierte Momentum-Strategie müsse deshalb vollständig systematisch sein und sich ausschließlich auf Daten stützen. "Sie sollte ihre Regeln konsequent und diszipliniert verfolgen – ohne Spielraum für menschliche Eingriffe", betont Fuchs.
Diversifikation bleibt entscheidend
Neben der Systematik spielt laut Oddo BHF AM auch die Portfoliokonstruktion eine zentrale Rolle. Momentum-Strategien dürften nicht in überlaufene Marktsegmente oder einzelne Hype-Themen kippen.
Gerade bei stark dominierenden Narrativen – etwa rund um künstliche Intelligenz – sei ein robuster Diversifikationsprozess entscheidend. Ziel einer "Smart-Momentum-Strategie" müsse sein, stabile Outperformer zu identifizieren und gleichzeitig kurzfristiges Marktrauschen oder panikartige Marktbewegungen auszublenden.
Solange psychologische Verzerrungen existieren, "bietet eine disziplinierte, systematische und risikokontrollierte Momentum-Strategie Investoren einen wirkungsvollen Ansatz, um in einer zunehmend unvorhersehbaren Welt zu bestehen“, resümiert Fuchs. (dv)




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