Restaurants dicht, Konzerte abgesagt, Skigebiete und Boutiquen geschlossen: Wegen der Covid-19-Pandemie haben Konsumenten kaum eine Gelegenheit, Geld auszugeben. Das hat zur Folge, dass die Sparquote in neue Höhen gestiegen ist. In Deutschland kletterte sie im vergangenen Jahr auf 16 Prozent. In der Schweiz lag sie offenbar zuletzt noch deutlich höher: Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich geht laut "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) davon aus, dass die Eidgenossen im vergangenen Jahr satte 26,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens beiseitegelegt haben. Das entspräche rund 130 Milliarden Franken (120,2 Milliarden Euro). In einem normalen Jahr wären es 30 Milliarden Franken (27,7 Milliarden Euro) weniger gewesen.

Eigentlich können sich Berater über hohe Rücklagen der Privathaushalte freuen, denn zumindest ein Teil der Sparer wird früher oder später zu Anlegern. Es recht angesichts der herannahenden Strafzinswelle, die auch weniger vermögende Bankkunden zunehmend erfasst und Bargeldfans generell das Leben schwer macht.

Doch die Rekordsummen, die zurzeit auf Spar- und Girokonten lagern, könnten statt zum Segen zum Fluch werden, warnt der Berner Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti. "Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die Stimmung im Sommer mit der Eindämmung der Pandemie abrupt ins Positive kehrt und ein eigentlicher Konsum- und Investitionsboom losbricht", sagt er in der NZZ. Das wäre – auch für Berater – nicht so positiv, wie man meinen könnte: Weil die hohe Sparquote keine klassischen Ursachen hat, hätte ein Boom bei Konsum und Geldanlage in Kombination mit der expansiven Geldpolitik und dem verknappten Angebot in der Wirtschaft womöglich eine konjunkturelle Überhitzung mit Mega-Inflation zur Folge.

Höhere Zinsen = Schock für Anleger
Läuft die Wirtschaft heiß, könnten sich die Zentralbanken dazu gezwungen sehen, ihre expansive Geldpolitik rasch zurückzufahren und die Zinsen schneller zu erhöhen als erwartet, warnt Brunetti in der Schweizer Zeitung. Die Folgen wären seiner Einschätzung nach wenig wünschenswert: An den Finanzmärkten könnte es überraschende Kurseinbrüche geben, der wirtschaftliche Aufschwung könnte durch die fallenden Vermögen und die dadurch offengelegte Überschuldung abgewürgt werden. Dieses Szenario ist mit den positiven Nachrichten aus der Impfstoffentwicklung deutlich wahrscheinlicher geworden, urteilt der Wirtschaftsprofessor. (fp)