Da die Exporte in die EU auf ein Rekordniveau kletterten, stieg Chinas Überschuss mit der EU im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 32,9 Milliarden US-Dollar. Das geht aus am Dienstag (14.7.) veröffentlichten Daten des chinesischen Zolls hervor. Der Überschuss des Landes mit Deutschland hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt, während er mit Frankreich um 81 Prozent einbrach.

Ökonomen warnen vor neuem Handelskonflikt
"Die Handelsungleichgewichte mit der EU haben weiter zugenommen", erklärten Ökonomen der Macquarie Group um Larry Hu in einem Bericht. "Trotz eines dreimonatigen Handelsfriedens hält der wachsende Überschuss das Risiko eines Handelskonflikts zwischen China und der EU hoch."

Die unausgewogene Handelsbeziehung dürfte die Sorgen in Europa über überschüssige chinesische Produktionskapazitäten weiter verstärken. Chinas Exporte haben sich bei schwacher Inlandsnachfrage robust gezeigt. Sie stützen damit das Wachstum im eigenen Land, befeuern im Ausland aber Beschwerden, dass eine Flut von Billigwaren lokale Hersteller unter Druck setzt.

In der ersten Jahreshälfte importierte China Waren im Wert von 135,6 Milliarden US-Dollar aus der EU, neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Exporte in die Union beliefen sich im selben Zeitraum auf 312,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent.

Merz fordert Währungsdialog mit China
Europäische Spitzenpolitiker stellen das Handelsungleichgewicht zunehmend als strategische Herausforderung dar und nicht mehr nur als rein wirtschaftliches Problem. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Lage nach seinem Besuch in Peking Ende vergangenen Jahres als Frage von "Leben oder Tod" für die europäische Industrie. Chinesische Vertreter betonen dagegen die Vorteile offenen Handels und wirtschaftlicher Zusammenarbeit und verweisen auf Chancen für einen besseren europäischen Zugang zu China. 

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz forderte am Montag (13.7.) "einen politischen Währungsdialog mit China" und rückte damit den Wechselkurs des Landes erneut als Quelle seines Handelsvorteils in den Mittelpunkt.

Auf Basis verschiedener Kennzahlen, darunter Kaufkraftparität und Außenhandelsbilanzen, liegt der Yuan rund 15 Prozent unter seinem fairen Wert gegenüber der Gemeinschaftswährung, verglichen mit 20 Prozent vor einem Jahr. Das schrieb Deutsche-Bank-Stratege Shreyas Gopal in einem am Montag (13.7.) veröffentlichten Bericht.

Die chinesische Währung hat in diesem Jahr gegenüber dem Euro um mehr als sechs Prozent aufgewertet und stieg im vergangenen Monat auf den höchsten Stand seit März 2025. Dennoch liegt sie noch immer etwa 13 Prozent unter ihrem Hoch von 2022.

Streit über Überkapazitäten hält an
Chinas Handelsminister Wang Wentao und Außenminister Wang Yi haben beide eine "Aufwärtsbalance" im bilateralen Handel gefordert. Sie argumentieren, die Lösung liege in einer Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und nicht in Beschränkungen. Peking und Brüssel haben sich nach Angaben von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic darauf geeinigt, bis Oktober Fortschritte bei Handelsstreitigkeiten zu erzielen.

Dennoch liegen beide Seiten bei der Frage, wie die wachsenden Spannungen angegangen werden sollen, weiter weit auseinander. Die europäische Politik drängt Peking, industrielle Überkapazitäten einzudämmen und Subventionen zu verringern, die aus ihrer Sicht den Wettbewerb verzerren. China zeigt hingegen wenig Bereitschaft, Exporte zu begrenzen, die zu einem zunehmend wichtigen Treiber des Wirtschaftswachstums geworden sind.

Die Deutsche Bank erklärte, ihre Analyse habe ergeben, dass Deutschland gegenüber China besonders wenig wettbewerbsfähig sei. Grundlage sei eine Schätzung, wo die frühere deutsche Währung im Handel liegen würde. "Nahezu alle unsere Modelle deuten darauf hin, dass die Unterbewertung des Yuan gegenüber einer hypothetischen D-Mark stärker ausgeprägt ist als gegenüber dem Euro. Das verdeutlicht, dass Deutschlands Wettbewerbsproblem größer ist als das des weiteren Euroraums", schrieb Gopal. (mb/Bloomberg)