Rekordzahl von Zentralbanken will Gold aufstocken
Trotz des jüngsten Preisrückgangs bleibt Gold bei Notenbanken gefragt. Laut einer Umfrage planen so viele Zentralbanken wie nie zuvor, ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten auszubauen.
Mehr Zentralbanken denn je rechnen damit, ihre Goldreserven aufzustocken. Das deutet darauf hin, dass eine der wichtigsten Triebkräfte hinter der Rekordrally des Edelmetalls trotz des diesjährigen Rückschlags intakt bleibt.
In einer Umfrage unter 74 Zentralbanken erklärten 45 Prozent, sie wollten auf Jahressicht Gold kaufen. Das ist der höchste jemals erfasste Anteil in den seit 2018 vom World Gold Council (WGC) und Yougov erhobenen Daten. Nur eine Zentralbank gab an, ihre Bestände verringern zu wollen, teilte der WGC am Dienstag (16.6.) in einem Bericht mit.
Goldpreis unter Druck
Die Goldpreise haben sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Gestützt wurde die Rally durch eine deutliche Beschleunigung der Käufe durch Zentralbanken.
Ein Teil dieser Gewinne wurde in diesem Jahr wieder zunichtegemacht, da der Nahostkonflikt die Energiekosten in die Höhe trieb und Spekulationen darüber befeuerte, dass die Zinsen längerfristig höher bleiben müssen. Das schmälerte die Attraktivität des nicht verzinslichen Edelmetalls. Die Preise fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit November.

"Ich denke, der Preisrückgang ist für einige Zentralbanken eine Gelegenheit, mit Käufen einzusteigen", sagte Shaokai Fan, globaler Leiter Zentralbanken beim WGC, einem Branchenverband der Goldminenbetreiber. Im Jahr 2025 "haben wir eine Reihe von Zentralbanken registriert, die sagten: 'Oh, der Preis ist im Moment ein bisschen hoch, ich möchte abwarten, ob sich für uns eine Gelegenheit zum Kauf ergibt'", sagte er.
Schwellenländer als wichtigste Käufer
Das Tempo der Goldkäufe durch Zentralbanken zog im ersten Quartal an, obwohl die Türkei, Russland und Aserbaidschan begannen, Bestände des Edelmetalls abzubauen. Im kommenden Jahr stellen Zentralbanken aus Schwellen- und Entwicklungsländern laut der WGC-Umfrage den Großteil der potenziellen Käufer. Rund 53 Prozent dieser Befragten erwarten, dass ihre Bestände steigen, verglichen mit 18 Prozent der Zentralbanken aus Industrieländern.
Ein großer Teil dieser Käufe erfolgt über inländische Akkumulationsprogramme. Dabei erwerben Länder Gold von ihren eigenen Minenbetreibern in lokaler Währung, statt knappe Hartwährungsreserven einzusetzen. Die Hälfte der Zentralbanken, die Käufe planen, will diese auf diesem Weg finanzieren, während 38 Prozent angaben, bestehende Reserveanlagen verkaufen zu wollen.
Mehr Gold im eigenen Land
Die Bank of England, im Zentrum des weltweit größten Goldhandelsplatzes London, bleibt der beliebteste Lagerort für Zentralbanken. Sie wird von 57 Prozent der Befragten genutzt. Dennoch erklärten neun Prozent, sie hätten im vergangenen Jahr mehr Gold im eigenen Land gelagert, und zehn Prozent verlagerten Bestände, um sie über verschiedene Standorte zu diversifizieren. In der Vorjahresumfrage lagen die Werte noch bei fünf beziehungsweise zwei Prozent.
Das politische Risiko hätten die Zentralbanken "definitiv im Blick", sagte Fan. Die Verlagerung könnte Chancen für alternative Standorte wie Singapur und Hongkong schaffen, die beide darum werben, Zentralbankgold dort zu lagern, um ihre eigenen Goldmärkte zu stärken. (mb/Bloomberg)













