Wer sich im Alter Ruhe vorm Finanzamt erhoffte, wird häufig enttäuscht. Auch mancher Rentner muss Steuern zahlen. De facto werden in den kommenden Jahren immer mehr Ruheständler steuerpflichtig, und viele müssen aktuell allein schon deshalb mehr an den Fiskus zahlen, weil die gesetzliche Rente im Sommer um 3,18 Prozent (Westdeutschland) gestiegen ist (im Osten: 3,91 Prozent).

Einige Ruhegeldempfänger rutschen dadurch sogar erstmals in die Steuerpflicht. Bereits 2015 wurden nach neuesten statistischen Daten 27 Prozent der 21,2 Millionen Empfänger einer gesetzlichen, privaten oder betrieblichen Rente vom Fiskus zur Kasse gebeten. Umgerechnet 16 Prozent der Auszahlungen fielen unter die Steuerpflicht (FONDS professionell ONLINE berichtete). 

Von der Rentenerhöhung gehen noch Sozialversicherung und Steuern ab. Dennoch bleibt für jeden unterm Strich netto mehr übrig als vor einem Jahr, hat die Stiftung Warentest anhand von Modellfällen ausgerechnet. In der August-Ausgabe von "Finanztest" wird ein Rentenplus zwischen 540 bis 830 Euro pro Jahr kalkuliert. Noch mehr sei drin, wenn Kosten für Gesundheit, Helfer im Haushalt und Spenden geltend gemacht werden, heißt es im Bericht.

Besteuerungsanteil klettert Richtung 100 Prozent
Was viele nicht wissen: Jede Rentenerhöhung ist schon heute zu 100 Prozent mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Das ist mehr als, als Ruheständler ansonsten von ihrer Rente mit Vater Staat teilen müssen. Da gilt: Wer bis 2005 in Rente ging, bei dem werden für die Bezüge nur 50 Prozent Besteuerungsanteil herangezogen. Spätere Jahrgänge an Neurentnern zahlen schon mehr. Ein Beispiel: Wer 2018 in Rente ging, musste schon 76 Prozent seiner Altersbezüge lebenslang versteuern (Neu-Rentner von 2019: 78 Prozent). Ab 2040 liegt der Besteuerungsanteil für Neurentner dann bei 100 Prozent. Doch im Gegenzug werden die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung während der Berufstätigkeit seit 2005 von Jahr zu Jahr stufenweise steuerfrei gestellt. 

Nebenbei sei erwähnt: Zur Steuerpflicht zählt unter anderem, wie herkömmliche Arbeitnehmer alljährlich eine Einkommensteuer-Erklärung abzugeben. Wer dies "versäumt" – weil es Wichtigeres im Lebensabend zu erledigen gibt – riskiert, bei Entdeckung saftig nachzahlen zu müssen. Und wer weiß, ob die Barvorräte dann hierfür ausreichen.

Wirklich Steuern zahlen müssen Rentner aber nur, wenn sie mit ihren zu versteuernden Alterseinkünften über den Freibeträgen liegen, insbesondere dem Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro pro Jahr; Ehepaare 18.336 Euro). Vor Sozialabgaben sind dies rund monatlich 1.170 Euro für Neurentner des Jahres 2019, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

Hinzu kommen womöglich noch Altersentlastungsfreibetrag (ab 64) für Nebeneinkünfte, der jedoch tendenziell sinkt und 2040 ebenfalls abgeschafft wird. Bei Beamten fließt noch ein Versorgungsfreibetrag plus Zuschlag, der in gleicher Weise sinkt. Wer 2019 als ehemaliger Staatsdiener erstmals Pension erhält, dem bleiben laut Finanztest 17,6 Prozent steuerfrei, maximal aber 1.320 Euro plus 396 Euro Zuschlag. Wer Betriebsrente in Form einer Pension aus einer Direktzusage oder Unterstützungskasse bekommt, erhält diesen Freibetrag ebenfalls – frühestens ab dem 63. Geburtstag.

Betriebsrenten kräftig zur Ader gelassen
Renten aus sonstigen Arten der Betriebsrente sind mit einem geringen Steuersatz belegt, sofern sie aus voll oder pauschal besteuertem Einkommen bezahlt wurden. Dann gilt bei Rentenstart mit 67 nur ein Besteuerungsanteil von 17 Prozent. Ab 2005 abgeschlossene versicherungsförmige Betriebsrenten (nach Paragraf 3 Nr. 63 EStG) sind indes zu 100 Prozent steuerpflichtig.

Hinzu kommen Sozialbeiträge für die Kranken- und Pflegekasse in voller Höhe – Stichwort Doppelverbeitragung (FONDS professionell ONLINE berichtete). Versuche, zum früheren hälftigen Beitragssatz zurückzukehren, sind bisher an der Bundeskanzlerin gescheitert. (dpo)