Meuterei auf der Bayer-HV: Dass das 2019er Aktionärstreffen des Chemieriesen viel Konfliktstoff bieten würde, war nicht zuletzt wegen der massiven Kursverluste der Aktie vorhersehbar. Doch dass die anwesenden Anteilseigner gleich den Aufstand gegen das Konzernmanagement proben würden, überraschte Beobachter dann doch. Mehr als 55 Prozent der Aktionäre verweigerten nach einem 13-stündigen Schlagabtausch, der bisweilen einem Tribunal glich, am späten Freitagabend (26. April) der Vorstandsriege um Konzernchef Werner Baumann die Gefolgschaft – ein in der Dax-Geschichte bislang einmaliger Vorgang.  

Dabei ist das Beispiel Bayer nur die Spitze des Eisbergs. Mit der Beschaulichkeit von einst ist es auf deutschen Hauptversammlungen (HV) vorbei, zeigen Recherchen von FONDS professionell: In den vergangenen Jahren tendieren private Anleger und selbst professionelle Investoren immer stärker dazu, die Entscheidungen des Managements zu hinterfragen – entsprechend stark hat die Zahl der Abstimmungsanträge durch Aktionäre zugenommen. Die Redaktion hat versucht, die globale HV-Aktivisten-Szene anhand einiger Grafiken zusammenzufassen – und ist dabei auf die eine oder andere überraschende Erkenntnis gestoßen.

Etwa die, dass es in den USA weder große Hedgefonds noch etablierte institutionelle Investoren sind, die das Geschehen auf HVs bestimmen, sondern vielmehr extrem entschlossene Einzelkämpfer. Ebenfalls auffällig erscheint der weltweite Trend, das Research, das einem informierten HV-Voting zugrunde liegen sollte, an eigens da­rauf spezialisierte Consulter auszulagern. Kritiker fürchten bereits eine "McDonaldisierung" des Abstimmungsverhaltens. Abgerundet wird das Bild durch eine Case Study rund um das mächtigste Fondshaus in Deutschland, die DWS: Wie oft steigt der Asset Manager gegen das Management in den Ring, und welche Ziele wollen die Manager dann ­eigentlich umgesetzt sehen? (hw/ps)