Die von Ray Dalio gegründete und geführte, rund 138 Milliarden US-Dollar an verwalteten Vermögen große Hedgefondsgesellschaft Bridgewater Associates könnte im Bereich der Risk-Parity-Strategien ein neues Kapital aufschlagen. Die dahinter stehenden Überlegungen sollten auch Anleger und deren Berater interessieren.

Zur Erinnerung: Bei Risk-Parity-Ansätzen werden die unterschiedlichen Anlageklassen nach ihrem Risikobeitrag für das Gesamtportfolio unterschiedlich hoch gewichtet. Dadurch werden in der Regel volatile Aktien unter- und als sicher angesehene Anleihen höher gewichtet, wobei zum Teil auch Kreditfinanzierung zur Renditeerhöhung vorgenommen werden.

Anleihenverkauf
Laut ihrem Juli-Bericht will die Gesellschaft bei ihren Risk-Parity-Strategien den Anteil an Staatsanleihen reduzieren und die frei gewordenen Mittel in andere Segmente wie Gold, Inflationsgeschätzte Anleihen (Inflation Linker) und Aktien mit stabilen Cash Flows investieren. Darüber berichtet Bloomberg. "Es ist offensichtlich, dass Anleihen weder Renditen noch Risikoreduzierung bieten, wenn die Zinsen aufgrund der Zentralbankaktivitäten in der Nähe von Null gehalten werden“, schrieb Co-Anlagechef Bob Prince im Juli-Reporting.

Nach Angaben des Unternehmens bringen etwa 80 Prozent der Staatsanleihen weniger als ein Prozent Rendite, was den Spielraum für eine Wertsteigerung solcher Anleihen während einer Phase der Risikoaversion einschränkt, da die Anleger stattdessen einfach in Cash umschichten können.

Unverzinstes Risiko
Bridgewaters Überzeugung, dass ultraniedrige Staatsanleiherenditen die Überlegungen zur Risikoparität verändern, betrifft im Grunde alle Investoren, die Anleihen halten. Das gilt insbesondere für jene, die im Portfolio ganz klassisch 60 Prozent Aktien und 40 Prozent halten. Ray Dalio und sein Team sorgen sich, dass im Fall auch nur temporär oder leicht steigender Zinsen die inzwischen extrem hoch bewerteten Staatsanleihen als auch die Aktienkurse gleichzeitig fallen und vor allem gehebelt investierten Risk-Parity-Strategien hohe Verluste bescheren. So ein „Worst Case“-Szenario würde aber auch klassische 60/40-Portfolios empfindlich treffen.

Damit erfüllen die meisten Staatsanleihen nicht mehr ihre Funktion als „sicherer Hafen“, was für Investoren weltweit ein Paradigmenwechsel sein könnte. (aa)