Deutschland ist das Land der Finanzexperten – das glaubt jedenfalls der Großteil der Anleger, wie eine neue Umfrage von Legg Mason zeigt. Fast die Hälfte (49 Prozent) von tausend befragten Deutschen bezeichnet sich selbst mit Blick auf die eigenen Kenntnisse rund um Finanz- und Geldanlagethemen als "Experte" oder "fortgeschritten". Vertiefende Fragen zeigten dann aber, dass das unmöglich stimmen kann. "Solche Fehleinschätzungen sind fatal", sagt Stephan Bannier, Niederlassungsleiter und Deutschlandchef bei Legg Mason. 

Nach Einschätzung der Legg-Mason-Experten zeigt sich die Selbstüberschätzung vor allem bei den Themen ETFs und Kryptowährungen. So gaben 34 Prozent (30 Prozent global) der deutschen Anleger an, komplett zu verstehen, was ein ETF ist. Gleichzeitig meinten gar 42 Prozent (30 Prozent global), sie würden sich mit digitalen Zahlungsmitteln auskennen. Die Studienmacher halten das für unrealistisch.

Finanzberater sind selten gefragt
Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten führt dazu, dass deutsche Anleger verhältnismäßig selten auf die Anlageentscheidungen von Finanzberatern vertrauen. Nur zwölf Prozent der Befragten in Deutschland gaben an, einen Experten zu Rate zu ziehen. Weiteres kurioses Detail der Befragung: Lediglich sechs Prozent der Befragten in Deutschland denken, sie leben in einem Land der Finanzexperten – obwohl die meisten sich selbst dafür halten.

Die Schere zwischen der Einschätzung der eigenen Kenntnisse und dem Wissen der Gesamtbevölkerung klafft also deutlich auseinander. Das bestätigt psychologische Analysen, nach denen Menschen häufig dazu neigen, sich selbst als klüger einzuschätzen als andere. (fp)