Investoren haben es angesichts einer Serie von neuen Höchstständen wichtiger Börsenindizes derzeit nicht leicht. Es ist zwar einigermaßen wahrscheinlich, dass sie stetige, wenn auch bescheidene Gewinne einfahren. Gleichzeitig sind hohe Verluste aber ebenfalls nicht unwahrscheinlich. "Das Umfeld für Geldanlagen ist inzwischen so, als würde man Kleingeld vor einer rollenden Dampfwalze aufsammeln”, sagt Lukas Daalder vom Fondsanbieter Robeco.

Die Metapher "Kleingeld vor einer Dampfwalze aufsammeln” stammt von dem bekannten Statistiker Nassim Taleb. Er beschreibt in seinen Büchern eine Anlagestrategie, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geringe Rendite (Kleingeld) erzielen und mit geringer Wahrscheinlichkeit einen sehr hohen Verlust (Dampfwalze) einfahren wird. Taleb geht dabei von der Prämisse aus, dass das Verlustszenario mental insgesamt stärker wiegt als das aufgesammelte Kleingeld.

Eine Frage der Perspektive
An den Finanzmärkten hängt viel davon ab, wie lange man erfolgreich Kleingeld aufsammeln und wie schnell man aus dem Markt aussteigen kann. "Wer zur falschen Zeit, also nahe am Höchststand, am Aktienmarkt einsteigt, könnte bei einer Korrektur das Gefühl bekommen, von einer Dampfwalze erfasst zu werden. Seine Verluste dürften die Gewinne wahrscheinlich mehr als aufwiegen", sagt Daalder.

Die längerfristige nominale Jahresrendite für die Aktienmärkte liegt bei etwa acht Prozent, sodass sich "Kleingeldsammeln" bisher eindeutig lohnt. Am US-Aktienmarkt kommt die Dampfwalze aber allmählich näher. "Die leichten Gewinne wurden bereits erzielt", sagt Daalder. Anleger müssen in der kommenden Zeit zwar nicht unbedingt überrollt werden. Sie sollten sich aber auf eine Korrektur von rund zehn Prozent einstellen. Robeco setzt deshalb jetzt stärker auf europäische Aktien. (fp)