"Aktuell erleben wir ein weltweit synchronisiertes Wirtschaftswachstum mit weiterem Steigerungspotential: Die Weltwirtschaft erlebt in puncto Wachstum ein weiteres gutes Quartal. Anscheinend tragen jetzt endlich auch die Investitionen zum Wachstum bei. „Das ist der Wirtschaftsfaktor, der im laufenden Konjunkturzyklus vor allem enttäuscht hat”, sagt Victor Verberk. "Zudem haben die verschiedenen Wirtschaftsblöcke anscheinend ihre Konjunkturzyklen synchronisiert”, ergänzt Robeco-Kollege Sander Bus. "Mit Ausnahme von China ist in allen Blöcken ein Aufschwung zu beobachten. In China hat das Verhältnis von Kreditvolumen zum Bruttoinlandsprodukt ein Niveau erreicht, das wir zuletzt in Krisensituationen in Ländern wie Südkorea, Japan und Thailand gesehen haben.” 

Verberk und Bus verweisen auf ein Thema, das sich ganz anders darstellt als in den letzten beiden Jahren: das Risiko, dass die Zentralbank möglicherweise drastischer handeln muss, als die Märkte erwarten (in Bezug auf die Inflation beispielsweise). "Das größte Fragezeichen steht in diesem Zyklus hinter der niedrigen Inflation”, meint Verberk. "Angesichts des Abbaus der Produktionslücke könnte man erwarten, dass die Notenbanken bald etwas durch die Inflation aufgeschreckt werden. Nach unserer Einschätzung könnte diese einen langfristigen Wendepunkt erreicht haben.” 

"Wir versuchen, unkonventionell zu denken – über den jetzigen Konjunkturzyklus hinaus, der uns mit seinen täglichen Nebengeräuschen beeinflusst”, sagt Verberk. „Aber das macht uns nicht entspannter. Mit Aufgabe des Bretton-Woods-Systems in den 1970er Jahren haben wir tatsächlich deckungsloses Papiergeld geschaffen und es voll und ganz den Notenbanken und Politikern anvertraut. Dies hat zu immer mehr finanziellen Schocks geführt. Notenbanken, die von Personen geleitet werden, die sich und ihre Kontrolle über die Wirtschaft überschätzen, versuchen gern wirtschaftliche Probleme mit niedrigeren Zinssätzen zu lösen.” 

Schuldenprobleme mit noch mehr Schulden zu lösen, führt zu finanziellen Schocks  
Die Robeco-Experten meinen, dass die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik zwar richtigliegen, aber aus den falschen Gründen. "Der durch eine Milliarde Chinesen, die seit den 1980er Jahren das Arbeitskräfteangebot vergrößert haben, ausgelöste massive Schock hat die Inflation gebremst. Daraus ist der Schulden-Superzyklus entstanden, über den wir vor zehn Jahren zum ersten Mal geschrieben haben. Schuldenprobleme mit noch mehr Schulden zu lösen, wird letztlich zu mehr und nicht zu weniger finanziellen Schocks führen. Wir leben in einer Zeit, in der man einen regelmäßigen Zyklus erwarten sollte, an dessen Anfang eine Krise steht, gefolgt von Schuldenzunahme, Hochkonjunktur, Übertreibungen und erneutem Konjunktureinbruch”, sagt Bus. 

Robecos Credit-Experten legen den Fokus auf Qualität. "Wir kaufen Anleihen von Emittenten, die ihre Verbindlichkeiten reduzieren. Von den Mega-Unternehmen mit 50 Milliarden Euro Schulden oder mehr in ihren Bilanzen lassen wir die Finger. Es ist wieder Zeit für ‚Stock-Picking‘“, erklärt Bus. Darüber hinaus hält Robeco europäische Unternehmensanleihen nach wie vor für attraktiver als amerikanische. (kb)