Maschinen sind in Sachen Portfoliomanagement Menschen nicht per se überlegen. Das zeigt die dritte Testrunde beim Echtgeld-Wettbewerb der Online-Plattform Brokervergleich.de: Die meisten Anbieter von Robo-Advisor-Portfolios haben in den zurückliegenden zwölf Monaten eine eher enttäuschende Performance erwirtschaftet. 

Zwar zeigten fast alle Online-Portfolios im Mai wieder eine solide Wertentwicklung, nachdem sie zuvor monatelang nicht überzeugen konnten. Über ein Jahr gerechnet gelang es allerdings sieben von zehn teilnehmenden Testportfolios nicht, den Vergleichsindex zu übertreffen, der einem hälftig aus globalen Aktien und Anleihen zusammengesetzten Mischfonds entspricht.

Dabei sah es zuletzt ganz ordentlich aus: Im vergangenen Monat erzielten fast alle Anbieter positive Resultate, lediglich einer rutschte ins Minus. Ganz oben stand im Mai Vaamo mit einem Plus von 2,7 Prozent, knapp gefolgt von Ginmon mit 2,5 Prozent Plus und Prospery mit einer Wertsteigerung von exakt zwei Prozent. Prospery zählt neben dem Comdirect-Ableger Cominvest, Weltinvest, dem Deutsche-Bank-"Human Robo" Robin und Solidvest zu den Neueinsteigern für die vierte Testrunde, die im Mai startete und die mit 16 Robo-Rivalen mehr Teilnehmer zählt als je zuvor.

Spitzenergebnisse haben Seltenheitswert
Bleibt nur zu hoffen, dass die Novizen ihre Sache besser machen als das Gros der "Stammspieler". Eines nämlich zeichnet sich jetzt schon ab: Dass das von den Robo-Anbietern zur Besänftigung von Skeptikern oft ins Feld geführte Argument, die bisher angesammelte Datenhistorie lasse so kurz nach dem Marktstart keine belastbaren Rückschlüsse zur generellen Leistungsfähigkeit der prozessorgesteuerten Portfoliomanager zu, allmählich und erkennbar verblasst. Auch das zeigen die Brokervergleich-Auswertungen.

In der rollierenden Ein-Jahres-Bewertung führt das Echtgeld-Portfolio von Ginmon mit 3,9 Prozent Zugewinn das Feld an. Ebenfalls als überdurchschnittlich erweist sich Vaamo mit 3,1 Prozent Plus. Platz drei mit 3,0 Prozent belegt Investify. Diese Anbieter schaffen es zumindest, mit der Benchmark – einer Kombination aus 50 Prozent MSCI World (Aktien) und 50 Prozent Barclays Aggregate Bonds (Anleihen) – gleichzuziehen.

Einige der getesteten Robo-Advisors hatten bisher kaum herausfordernde Börsenphasen zu überstehen. Das hat sich im Februar während des "Flash Crashs" rapide geändert, und auch danach verzeichneten die Anbieter ein dickes Minus. Im Realitätscheck zeigt sich: Robos können eine überlegenswerte Alternative zu herkömmlichen, aktiv gemanagten Fonds sein – solange es an den Märkten ruhig bleibt und tendenziell aufwärts geht. Dennoch: Auf zwei und drei Jahre gerechnet konnte nicht ein einziges der geprüften Robo-Portfolios mit dem Vergleichsindex mithalten.

Erstmals 16 Robos im Check
Mit den fünf Neuzugängen hat Brokervergleich nun erstmals 16 Robo-Advisor in den Echtgeld-Test einbezogen. Das Portal startete im Mai 2015 Deutschlands einzigen Echtgeld-Test für Online-Vermögensverwaltungen, seit Mai dieses Jahres läuft die vierte Testphase. Brokervergleich.de investiert in jedes Robo-Unternehmen reales Geld, jeweils in ein Portfolio mit mittlerem Risiko und eines, das nach Angaben des jeweiligen Anbieters die zurzeit empfehlenswerteste Anlagevariante darstellt. (fp/ps)


Über den Roboberater-Test von Brokervergleich:
Robo-Advisor sind digitale Geldanlagelösungen, die mit größtenteils automatisierten Prozessen sowie Algorithmen die Auswahl des für den Anleger am besten geeigneten Portfolios übernehmen und meist auch dessen laufende Entwicklung überwachen sowie erforderliche Anpassungen vornehmen. Um herauszufinden, welcher Roboberater hält, was er verspricht, startete das Internetportal Brokervergleich.de am 1. Mai 2015 einen ersten Selbstversuch: Um die Performance diverser Robo-Berater zu vergleichen, investierte der Portal-Betreiber echtes Geld in damals sechs verschiedene "Maschinen-Portfolios", wobei aus dem Sortiment der einzelnen Wettbewerber eines für Anleger mit mittlerer Risikoneigung gewählt wurde.

Monatlich berechnet Brokervergleich.de die Renditeentwicklung, als Benchmark dient eine hälftige Kombination aus den Aktienindizes MSCI World und Barclays Aggregate Bonds. Seit Mai 2016 läuft die zweite Anlagephase, die dritte startete im Mai 2017. Eine vierte hat im Mai 2018 begonnen.