Die Zunft der voll- oder halbautomatischen Vermögensberater hat derzeit einen schwierigen Stand. Von mehreren Seiten werden die Leistungsversprechen der Anbieter, dass Anleger zu geringen Kosten ein auf ihre Ansprüche zugeschnittenes Anlagedepot erhalten, das bei der Wertentwicklung mit herkömmlichen Fonds mindestens mithalten kann, in die Mangel genommen.

Die Stiftung Warentest beispielsweise kam in der Juli-Ausgabe ihres Magazins "Finanztest" beim Check des Beratungsprocederes von 14 digitalen Vermögensverwaltern zu dem wenig schmeichelhaften Ergebnis, dass nur zwei "Robos" die Note "gut" wert seien. "Befriedigend" schnitten sechs Angebote, "ausreichend" drei ab. Zwei der Online-Finanzdienste rügte die Stiftung gar mit "mangelhaft". Die Note "sehr gut" vergaben die Tester überhaupt nicht.

Spitzennoten sind auch beim aktuell laufenden Echtgeld-Wettbewerb der Online-Plattform Brokervergleich.de, der seit Anfang Mai zum vierten Mal stattfindet, äußerst rar gesät. Das neue Klassement hat vier Monate nach dem Start so durchwachsen begonnen, wie die dritte Runde endete.

Neulinge unter besonderer Beobachtung
Mit 16 Robo-Depots ist die Zahl der Anbieter im Test diesmal so hoch wie noch nie. Neu dabei sind Prospery, der Comdirect-Ableger Cominvest, der "Weltsparen"-Robo Weltinvest, Solidvest sowie Robin, der Robo-Advisor der Deutschen Bank. Die neuen Hoffnungsträger machen ihre Sache bislang aber nur bedingt besser als die bekannten Stammspieler.

Weltinvest und Solidvest lieferten mit einem Plus von 2,5 beziehungsweise 2,4 Prozent seit Anfang Mai eine solide Performance ab, während Prospery (1,4 Prozent) und Robin (1,3 Prozent) sich im Mittelfeld des August-Rankings wiederfinden. Besonders schlimm erwischte es das Test-Depot von Cominvest, das nach vier Monaten fast fünf Prozent im Minus liegt und somit auf dem letzten Platz landet.

Die meisten Anbieter liegen im Plus
Immerhin: Beim seit Mai laufenden vierten Schlagabtausch liegen insgesamt 13 der 16 Online-Vermögensverwaltungen im Plus. Die bisher beste Performance weist Ginmon aus: Das Echtgeldtest-Depot erzielte ein Plus von 4,2 Prozent und liegt nebenbei bemerkt mit einem Renditeplus von 11,5 Prozent auch in der Zwei-Jahres-Rechnung an der Spitze des Feldes. Dicht dahinter folgt Vaamo mit 3,2 Prozent Plus, wobei der Robo aus Frankfurt mit einer Performance seines Echtgeldtest-Depots von 10,1 Prozent in der Zwei-Jahres-Betrachtung ebenfalls auf dem Silbermedaillenplatz rangiert.

Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack: 15 der teilnehmenden Robo-Portfolios gelang es nicht, den von Brokervergleich als Messlatte zur Hilfe genommenen Vergleichsindex zu übertreffen, der einem hälftig aus globalen Aktien und Anleihen zusammengesetzten Mischfonds entspricht.(fp/ps)


Über den Roboberater-Test von Brokervergleich:
Robo-Advisor sind digitale Geldanlagelösungen, die mit größtenteils automatisierten Prozessen sowie Algorithmen die Auswahl des für den Anleger am besten geeigneten Portfolios übernehmen und meist auch dessen laufende Entwicklung überwachen sowie erforderliche Anpassungen vornehmen. Um herauszufinden, welcher Roboberater hält, was er verspricht, startete das Internetportal Brokervergleich.de am 1. Mai 2015 einen ersten Selbstversuch: Um die Performance diverser Robo-Berater zu vergleichen, investierte der Portal-Betreiber echtes Geld in damals sechs verschiedene "Maschinen-Portfolios", wobei aus dem Sortiment der einzelnen Wettbewerber eines für Anleger mit mittlerer Risikoneigung gewählt wurde.

Monatlich berechnet Brokervergleich.de die Renditeentwicklung, als Benchmark dient eine hälftige Kombination aus den Aktienindizes MSCI World und Barclays Aggregate Bonds. Seit Mai 2016 läuft die zweite Anlagephase, die dritte startete im Mai 2017. Eine vierte hat im Mai 2018 begonnen.