Rohstoffexperte: Kupfer mit mehr Potenzial als Gold
Nach den Turbulenzen an den Rohstoffmärkten infolge des Iran-Konflikts hat der Markt bei Öl eine Normalisierung weitgehend eingepreist, schreibt Thomas Benedix von Union Investment. Potenzial sieht der Experte vor allem bei Kupfer. Für Gold bleibt der Ausblick dagegen verhalten.
Die Rohstoffmärkte könnten nach einem von geopolitischen Spannungen geprägten ersten Halbjahr wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen. Davon geht Thomas Benedix, Senior-Portfoliomanager Rohstoffe bei Union Investment, aus. Im Fokus steht dabei insbesondere die Entwicklung am Ölmarkt nach den jüngsten Annäherungen zwischen den USA und dem Iran.
Ölmarkt im Fokus
Während des Iran-Konflikts gehörte Öl zu den wichtigsten Treibern der Kapitalmärkte. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl stieg zeitweise von rund 78 auf bis zu 118 US-Dollar. Inzwischen habe der Markt die erwartete Öffnung der Straße von Hormus weitgehend eingepreist, so Benedix. Der Ölpreis notiere wieder nahe seinem Vorkriegsniveau.
Für die weitere Entwicklung seien vor allem zwei Faktoren entscheidend: die Geschwindigkeit, mit der die Förderkapazitäten im Nahen Osten wieder hochgefahren werden, sowie die globale Konjunkturdynamik. Union Investment erwartet, dass ein Großteil der zuvor ausgefallenen Produktionskapazitäten bis Jahresende wieder verfügbar sein wird. Gleichzeitig könnte eine wirtschaftliche Erholung die Nachfrage nach Öl wieder ankurbeln, mit dem Risiko von neuerlichem Aufwärtsdruck auf den Ölpreis. Benedix: "Der Markt ist beim Ölpreis aktuell zu sorglos, sollte die Nachfrage wieder anspringen."
Wenig Potenzial für Gold
Für Gold sieht der Portfoliomanager wenig Aufwärtspotenzial. Gold habe während des Iran-Konflikts seine Funktion als klassischer sicherer Hafen nur eingeschränkt erfüllt, kommentiert er. Steigende Zinsrenditen, rückläufige Goldkäufe einiger Zentralbanken sowie eine schwächere physische Nachfrage belasteten die Preisentwicklung. Kurzfristig spreche daher wenig für deutlich steigende Goldnotierungen.
Unterstützung für Industriemetalle
Größeres Potenzial sieht Union Investment bei Industriemetallen, insbesondere bei Kupfer. Neben strukturellen Angebotsengpässen stützten langfristige Trends wie die Elektrifizierung des Verkehrs, der Ausbau der Energieinfrastruktur und hohe Infrastrukturinvestitionen in China die Nachfrage. Gleichzeitig könnten gestiegene Kosten wichtiger Vorprodukte die Minenproduktion beeinträchtigen. "Wir erwarten daher ein deutliches Angebotsdefizit", schreibt Benedix.
Aus Sicht von Union Investment bleiben Rohstoffe damit auch im zweiten Halbjahr ein relevantes Diversifikationselement in Multi-Asset-Portfolios. Innerhalb des Sektors verschiebt sich der Fokus jedoch zunehmend auf Industriemetalle. (dv)




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