Aktienkurse steigen nicht linear, es gibt immer wieder Rücksetzer. Das dürfte jedem Anleger klar sein. Aber mit welchen Rücksetzern müssen Investoren realistischerweise rechnen? Sven Lehmann, Fondsmanager bei HQ Trust, dem Multi-Family-Office der Quandt-Familie, hat sich dieser Frage angenommen – und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass zwischenzeitliche Verluste längst nicht so stark ins Gewicht fallen, wie viele Anleger glauben.

Der Anlageprofi hat sich für seine Studie die Verlustphasen der vergangenen 25 Jahre angeschaut. In diesem Zeitraum haben Investoren mit globalen Aktien im Schnitt 8,4 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Ein ungewöhnlich guter Anlagezeitraum war die Zeit seit Anfang 1996 nicht, es gab schließlich Terroranschläge, Finanzkrisen und andere Turbulenzen, die den Aktienmärkten zusetzten. Aber: "In knapp 90 Prozent der Fälle war der erlittene Maximalverlust bis zum nächsten Allzeithoch kleiner als fünf Prozent – also nichts, was einen langfristigen Anleger nervös machen würde", sagt Lehmann.

Aktienkurse erholen sich meist schnell
Auch in den übrigen Verlustphasen fiel der maximale Verlust im vergangenen Vierteljahrhundert moderat aus. In der Hälfte der Fälle lag er unterhalb von zehn Prozent. "Siebenmal lag er immerhin noch unterhalb von 30 Prozent", berichtet Lehmann. Zweimal verlor der Musteranleger in der Untersuchung allerdings gut die Hälfte seines Vermögens. Der höchste Maximalverlust betrug satte 56 Prozent und ging auf den katastrophalen Kurssturz nach dem Platzen der Dotcom-Blase zurück.

Auf die meisten Bärenmärkte folgte im Untersuchungszeitraum ein rascher Aufschwung. "In rund 85 Prozent der Fälle erreichte der Index innerhalb eines Monats ein neues Allzeithoch", sagt der HQ-Trust-Fondsmanager. Nach den meisten übrigen Korrekturen mussten Anleger nicht länger als ein Jahr warten, bis die Kurse einen neuen Rekordstand erreicht hatten. Nur in drei Fällen dauerte es länger, bis sich die Märkte erholt hatten. Die längste Durststrecke für Anleger dauerte sechs Jahre und neun Monate und endete im Mai 2007. Danach blieben Anleger immerhin knapp eineinhalb Jahre bis zum nächsten Crash. (fp)