Die Ratingagentur Moody's hat einen Zahlungsausfall Russlands festgestellt. Die Agentur wertete Zinszahlungen zweier Anleihen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an internationale Gläubiger als nicht beglichen. Damit rutschte das Land erstmals seit 1918 in einen Ausfall. Damals hatte das Land nach der bolschewistischen Revolution seine Rechnungen bei internationalen Gläubigern nicht beglichen. Zwar war Russland 1998 ebenfalls in eine Staatsinsolvenz geschlittert, diese betraf aber nur die Binnenschulden in Rubel.

Streng genommen ist Russland auch nach wie vor nicht in Zahlungsnot. Die öffentliche Kasse des Landes ist gut gefüllt. Doch aufgrund der Sanktionen, die wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängt wurden, erreichen die in Rubel geleisteten Zahlungen Moskaus nicht die Gläubiger. Der Kreml beharrt der Nachrichtenagentur "DPA" zufolge darauf, die fälligen Zinsen beglichen zu haben. Internationale Anleger haben jedoch keine Mittel erhalten.

Ungemach droht
Zunächst hat die Feststellung von Moody's keine akuten Folgen. Die Feststellung eines technischen Zahlungsausfalls war wiederholt erwartet worden. Doch künftig droht dem Land deutlich mehr Ungemach. Moskau wird sich international kein Geld mehr mit Anleihen beschaffen können. Gläubiger können zudem die Rückzahlung von Schulden verlangen, auch wenn diese noch gar nicht fällig sind. In der Folge könnten Gerichte das Eigentum von russischen Staatskonzernen als Entschädigung für entgangene Zahlungen heranziehen, heißt es in Spekulationen. Doch die Rechtslage ist komplex.

Auch für die Finanzmärkte wirft die Pleite-Feststellung Fragen auf. Das internationale Investoren-Komitee CDDC könnte ebenfalls den Bankrott feststellen. In diesem Falle werden Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig und die Käufer solcher Absicherungen erhalten Entschädigungen. Anfang Juni hatte das Komitee Russland bereits als säumigen Zahler eingestuft, weil der Kreml Verzugszinsen nicht geleistet hatte. Dabei ging es aber nur um eine Summe von 1,9 Millionen US-Dollar. (ert)