Sarasin-Chefökonom: Die dunkle Seite der Digitalisierung heißt…
Die Allmacht der Computer hat für Anleger nicht nur Vorteile, warnt Sarasin-Volkswirt Karsten Junius. Gegen das größte Problem gibt es aber ein einfaches Mittel.
Für Finanzprofis gilt: Digitalisierung ist Trumpf. Der Siegeszug der Algorithmen hat aber auch Schattenseiten, warnt Karsten Junius, Chefökonom der Bank F. Safra Sarasin. Dadurch, dass Computer für die Nutzer vermeintlich uninteressante Inhalte herausfiltern, umgeben sich immer mehr Menschen nur noch mit Gleichgesinnten. "Je mehr sich die Gesellschaft in Gruppen segregiert, die nicht mehr miteinander kommunizieren, desto höher ist das Risiko von Herdenverhalten und Fehlinvestitionen", sagt Junius.
Herdenverhalten an den Finanzmärkten wird wahrscheinlicher, wenn Anleger nur von ähnlich denkenden Kollegen umgeben sind oder nur noch vorgefiltert wahrnehmen, was ohnehin zu ihrer Meinung passt. "Ein Beispiel dafür ist, dass die meisten Finanzmarktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit von Brexit und Trump kollektiv unterschätzt haben", sagt der Ökonom. "Viele haben auch später nicht geglaubt, dass die britische Regierung wirklich Artikel 50 auslöst und dass Trump die Politik verfolgt, die er im Wahlkampf versprochen hat." Ein besseres Verständnis für alternative Szenarien hätte hohe Gewinne ermöglicht.
Mehr ist mehr
Anleger und Investmentgesellschaften sollten auf Vielfalt setzen, rät Junius. Wer sich auf Anregungen und Kritik aus seinem Umfeld verlassen kann, hat an den Finanzmärkten deutliche Vorteile gegenüber jenen erzielen, die sich nur in homogenen Gruppen bewegen. "Es lohnt sich daher bei fortschreitender Digitalisierung, Teams in Bezug auf Alter, Geschlecht, kulturellem Hintergrund, politischer Überzeugung und persönliche Erfahrungen möglichst unterschiedlich zusammenzusetzen", so der Ökonom. (fp)













