Italiens Regierung hält an ihrem Konfrontationskurs gegenüber der EU-Kommission fest. "Wir erwarten, dass sie diesen Kurs bis zu den Europawahlen im Mai beibehält, um so auf einer Welle EU-kritischer Ressentiments ihren Stimmanteil zu maximieren", sagt Karsten Junius, Chefvolkswirt der Bank J. Safra Sarasin. Bis die europäischen Sanktionsmechanismen greifen, kann es noch eine Weile dauern. Die Strafe der Märkte dürfte dagegen nicht lange auf sich warten lassen, so Junius. Und sie dürfte hart ausfallen.

Höhere Refinanzierungskosten würden in den kommenden Jahren zu steigenden Zinskosten führen. Italiens Budgetüberschüsse vor Zinsen müssten also deutlich wachsen, um den Schuldestand konstant zu halten. Das ist mit der aktuellen Finanzpolitik nicht zu schaffen. Die Folge wären steigende Schulden und sinkende Ratings. Sollte Italien auf Ramschniveau sinken, wären seine Anleihen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mehr sicherheitenfähig. Banken könnten sich dann kaum noch refinanzieren, die Liquiditätsversorgung im Land würde zusammenbrechen.

Ein Land im Teufelskreis
Sarasin-Simulationen zeigen, dass die durchschnittliche Verzinsung italienischer Staatsanleihen und damit ihre Belastung für den Staatshaushalt im kommenden Jahr erst noch einmal leicht sinken. "Allerdings drängt die Zeit, denn der italienische Privatsektor ist in der Regel nicht so langfristig finanziert wie der Staat", warnt Junius. Steigende Zinsniveaus dürften die Rentabilität vieler Investitionen reduzieren und zu einer niedrigeren Kreditvergabe und Investitionstätigkeit führen. "Die Aussichten für die italienische Wirtschaft werden dadurch belastet, was wiederum die Finanzstabilität weiter verschlechtert", sagt der Ökonom – ein Teufelskreis.

Bislang konnte Italien darauf zählen, dass die EZB mit immer neuen Liquiditätsprogrammen und geldpolitischen Maßnahmen in die Bresche springt. "In Zeiten fallender Arbeitslosenquoten in der Währungsunion, steigender Kerninflationsraten und knapper Kapazitätsreserven wird das aber immer unwahrscheinlicher", so Junius. Die Notenbank will ihr Anleihekaufprogramm zum Jahreswechsel beenden. "Somit werden wohl hauptsächlich italienische Sparguthaben für den Kauf des zusätzlichen Anleiheangebots herhalten müssen", sagt der Sarasin-Experte. (fp)