Sowohl Wohnungsmieten als auch Eigentumswohnungen sind teurer geworden, hat das Researchteam des Immobiliendienstleister JLL ermittelt. In den acht größten deutschen Städten zogen die Mietpreise in der zweiten Jahreshälfte 2020 um 3,5 Prozent an, verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. In einer Fünfjahresbetrachtung ist der jüngste Zuwachs jedoch unterhalb des Durchschnitts von jährlich rund fünf Prozent geblieben.

Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen haben sich hingegen überdurchschnittlich verteuert. In den "Big 8"-Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und Leipzig) zogen die Preise während des zweiten Halbjahres um 9,3 Prozent an. Das liegt zwar einen Prozentpunkt unterhalb des vergleichbaren Vorjahresintervalls. Zieht man jedoch auch hier den Durchschnitt über fünf Jahre heran (8,6 Prozent), dann zeigt sich ein überproportionaler Preisanstieg.

Miet- und Kaufpreise driften weiter auseinander
Dass die Mieten in den Großstädten nur noch gebremst gestiegen sind, erklärt Roman Heidrich, der bei JLL Wohnimmobilien bewertet, mit "einer gestiegenen Nachfrage, die sich von Stadt über Innenstadtnähe in Richtung Umland verschoben hat". Das Umland ist wieder attraktiver geworden, Fahrtzeiten in die Stadt von 30 bis 60 Minuten werden in Kauf genommen, fallen jedoch wegen verstärkten Arbeitens von zuhause derzeit ohnehin weniger an.

Während das Mietniveau in den Städten nur noch gedämpft steigt, hat sich das Preisniveau für Eigentumswohnungen weiterhin sehr dynamisch entwickelt. Die Kluft zwischen Miet- und Kaufpreisen vergrößert sich damit. Die Entwicklung der Mieten ist stärker von der Eintrübung realwirtschaftlicher Faktoren bestimmt, erklärt JLL. Die maßgeblichen Treiber für die Entwicklung der Kaufpreise sind hingegen die nach wie vor historisch günstigen Finanzierungskonditionen in Verbindung mit einem nach wie vor hohen Anlagedruck der Investoren.

Ausblick
"Angesichts der ultraexpansiven Ausrichtung der Europäischen Zentralbank und des Wettbewerbsdrucks von Investoren bleiben Sachwerte sowohl für institutionelle Investoren als auch private Haushalte attraktiv", prognostiziert JLL-Wohnungsmarktexperte Sebastian Grimm, "Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen würde entsprechend nicht abreißen", so Grimm, und der Preisanstieg weiter befeuert. Das Mietniveau, so Grimms Kollege Heidrich, wird auch 2021 nur gedämpft aber oberhalb des Inflationsniveaus wachsen. (tw)