Wer sich bei der Kapitalanlage nicht auf seine Instinkte verlassen möchte, kann sich der Hilfsmittel der Charttechnik bedienen und sich an Indikatoren orientieren, die auf Tiefpunkte an den Börsen hinweisen – und so attraktive Einstiegskurse bieten. Einer dieser Indikatoren hat in den vergangenen 100 Jahren besonders zuverlässig langjährige Kurstiefs angezeigt, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Die Rede ist vom Relative-Strength-Index, zu deutsch : dem Relative-Stärke-Index oder RSI. Dieser Indikator weist das Verhältnis von Tagen mit Kursverlusten und Kursgewinne einer Aktie oder eines kompletten Marktes innerhalb eines bestimmten Zeitraums aus. Steht er bei 100, dann lag der Markt jeden Tag im Plus, bei 0 waren alle Tage Verlusttage.

Um in Zeiten eines generellen Aufwärtstrends ein langjähriges Tief an den Börsen zu erkennen, sollten sich Anleger am marktbreiten RSI auf Monatsbasis orientieren, erklärt Albrech: Fällt der Monats-RSI in einer Hausse-Phase nämlich unter einen Wert von 30 und steigt kurz danach schnurstracks wieder über diesen Wert, dann ist dies für den Vermögensverwalter ein unbedingtes und zuverlässiges Kaufsignal. 

Kleines Signal, große Wirkung
In einer solchen Situation könnten Anleger sozusagen blind kaufen, sagt Albrech. Der Haken an der Sache: Das Szenario ist so äußerst selten.

Genau gesagt: Es kam in den vergangenen 100 Jahren nur drei Mal vor, und zwar in den Jahren 1932, 1974 und 2009. In allen drei Fällen hatte der amerikanische Leitindex S&P 500 bis zum Wendepunkt massiv an Wert verloren, die Stimmung der Börsianer lag ebenfalls im Keller. Danach aber erlebte er dann jeweils einen immensen Anstieg, bei dem über mehrere Jahrzehnte die Einstiegskurse nicht mehr unterboten wurden. 

Für Anleger könnte ein neuerlicher schneller RSI-Umschwung bedeuten, dass die Aktienmärkte in den nächsten Jahren deutlicher steigen könnten als derzeit von vielen erwartet. Bis es so weit ist, dürfte es aber noch dauern. Zuletzt war der Monats-RSI des S&P 500 zwar stark gefallen, wie das obere Schaubild zeigt. Er steht allerdings immer noch bei rund 60 Punkten, ist also weit von der magischen 30-Punktemarke entfernt. (fp)