Sparen ist eine deutsche Obsession. Das gilt nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für den Staat. Die "Schwarze Null" gilt vielen Politikern als Idealzustand – dabei ist der Nutzen unter Experten umstritten. Eine aktuelle Studie des Multi Family Office HQ Trust zeigt, wie schwer es Staaten fällt, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Der Vermögensverwalter hat für 40 Staaten nachgerechnet, wie hoch der Anteil der Quartale mit positiver Haushaltsbilanz in den vergangenen 40 Jahren war.

Das Ergebnis: "Die Erzielung von Haushaltsüberschüssen ist in den meisten Ländern nur sehr selten gelungen", sagt Marcel Müller, Leiter Portfoliomanagement bei HQ Trust. Bei den Industrienationen gelang das Kunststück Norwegen am besten. Das Land nahm in 147 von 160 Quartalen (92 Prozent) mehr Kapital ein als es ausgab. Dahinter liegen die Schweiz, Finnland und Singapur mit rund 100 Quartalen (60 Prozent).

Erfolgreiche Unternehmen als Beispiel
Deutschlands Haushaltsbilanz war lediglich in 35 von 160 überprüften Fällen positiv, Österreich kommt auf dreimal. Daraus pauschal auf mangelnde Disziplin zu schließen, hält Müller allerdings für überstürzt. "Was viele Schuldengegner vergessen: Wenn man von Konsumkrediten absieht, sind Schulden nichts schlechtes. Es kommt darauf an, wofür das Geld verwendet wird", sagt der Vermögensprofi. Staaten sollten stärker agieren wie erfolgreiche Unternehmen und das Geld im Rahmen von Investitionen sinnvoll einsetzen – etwa in Bereiche wie Bildung oder Infrastruktur. (fp)