Die Deutschen bauen wieder mehr Wohnungen, zeigt eine Untersuchung der Ratingagentur Scope. Im vergangenen Jahr wurden in der Bundesrepublik 50.000 Wohneinheiten fertiggestellt. Vor acht Jahren waren es lediglich 20.000. Die Bauintensität lag im vergangenen Jahr in sieben der zehn größten Städte über dem 25-Jahres-Durchschnitt. "Vor allem Frankfurt, München, Düsseldorf und Berlin zeigen hier eine besondere Dynamik", schreiben die Analysten. 

Die Zahl der bezugsfertigen Wohnungen dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Darauf deutet der sogenannte Bauüberhang hin, der die Differenz zwischen genehmigten und fertiggestellten Wohnungen anzeigt: Von 2010 bis 2017 wurden in den betrachteten Städten rund 150.000 Wohnungen genehmigt, aber nicht fertiggestellt. Besonders groß ist die Diskrepanz zwischen Baugenehmigungen und bezugsfertigen Wohnungen in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt. Rund zwei Drittel der Wohnungen aus dem Bauüberhang befinden sich aktuell im Bau. "Das bedeutet, dass rund 100.000 Wohnungen in den kommenden ein bis zwei Jahren fertiggestellt werden", so die Analysten. Das dürfte etwas Druck von Mieten und Kaufpreisen nehmen. 

Zahl der privaten Haushalte wächst weiter
Die Scope-Experten sind allerdings skeptisch, ob die zusätzlichen Wohnungen ausreichen, um den anhaltenden Preisauftrieb am Immobilienmarkt zu dämpfen. "Fest steht: In den Jahren 2010 bis 2017 hat sich in den zehn Städten eine große Bedarfslücke akkumuliert", schreiben sie. Das Jahr 2017 war in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Dortmund das Jahr mit dem bisher stärksten Preiszuwachs im laufenden Zyklus. Das dritte Quartal 2017 ragt mit mehr als 13 Prozent Preiswachstum heraus. "Dass sich das Tempo seitdem etwas verringert hat, sollte nach einem zehnjährigen Aufschwung mit Preiszuwächsen von insgesamt 130 Prozent in München und 100 Prozent in Berlin nicht verwundern", meinen die Scope-Spezialisten.

Preisentwicklung von Eigentumswohnungen auf Deutschlands zehn größten Wohnungsmräkten 

Die Zahl der privaten Haushalte ist in diesem Zeitraum insgesamt um rund 600.000 gewachsen. Es wurden jedoch nur 250.000 Wohnungen fertiggestellt. Nach Abzug der neuen Wohnungen aus dem Bauüberhang bleibt somit immer noch eine beträchtliche Baulücke von über 200.000 Wohnungen. Zugleich wächst die Zahl der privaten Haushalte weiter. Scope erwartet für die Top-Ten-Städte zusätzliche 100.000 Haushalte bis zum Jahr 2020. (fp)