Die Sentix-Konjunkturdaten für Euroland zeigen eine überraschend deutliche Verbesserung, berichtet Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix, in einer aktuellen Sentimentanalyse. Der Gesamtindex steigt auf minus 21 Punkte, dies ist der höchste Stand seit Juni 2022.

Die Lagebeurteilung klettert um 9,5 Punkte auf minus 20 Punkte. Die zukunftsgerichteten Erwartungswerte verbessern sich gar um 10,3 Punkte auf minus 22 Punkte. Dies ist der beste
Wert seit März 2022, merkt Hübner mit Verweis auf nachfolgende Grafik an.

Konjunkturindex könnte sich stabilisieren

Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage (blau) als auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate (rot) haben sich zuletzt nach oben entwickelt. Auch wenn beide Werte noch im Minus-Bereich sind, könnten Optimisten darin einen Wendepunkt sehen.

Entscheidende Frage
Liegt also ein wichtiger konjunktureller Wendepunkt vor, der die Rezessionsgefahr nachhaltig
verbannt? Zumindest ist Hübner zufolge ein gleichzeitiger Anstieg von Lage- und Erwartungswerten ungewöhnlich. Ein solcher simultaner Anstieg deutet darauf hin, dass die Anleger in ihren Einschätzungen emotional übertrieben haben und nun diese kurzfristig überzogene Haltung korrigieren. Die überraschend hohen Gasfüllstände und die weiter stabilen Arbeitsmärkte passen nicht zu einer Rezession.

"Diese Korrektur in den Einschätzungen sollte man unseres Erachtens jedoch nicht als generelle Trendwende fehlinterpretieren. Die Rezessionsgefahren sind nämlich keineswegs gebannt", warnt Hübner. Zum Beispiel steigen die Energiepreise schon wieder und werden die Haushalte 2023 noch stärker belasten als in diesem Jahr. Die US-Notenbank mag ihr Tempo der Zinserhöhungen drosseln, aber Fed und auch EZB werden die Zinsen weiter erhöhen, deren konjunkturdämpfende Wirkungen auch noch nicht voll eingesetzt haben. Die Rezession, die noch gar nicht richtig begonnen hat, sollte Hübner zufolge nicht zu früh ad acta gelegt werden. (aa)