Sie nähert sich auf leisen Sohlen, aber sie kommt: Tatsächlich sieht es trotz massiver Konjunktureinbrüche im Zuge der Covid-19-Pandemie derzeit so aus, als müssten sich Verbraucher und Anleger auf mittlere Sicht wieder mit steigenden Preisen arrangieren – und als Folge vielleicht sogar mit höheren Zinsen. Die anhaltende Geldschwemme der Notenbanken, die langsam kletternden Notierungen für Rohöl und vor allem der virusbedingte Konsum- und Investitionsstau könnten dafür sorgen, dass die Inflationsraten in wenigen Monaten wieder auf breiter Front klettern, möglicherweise kräftig. Damit kalkulieren zumindest zahlreiche Anleiheinvestoren: Seit Wochen rutschen die Kurse an den globalen Bondmärkten peu à peu in den Keller.

Ob es so kommt, kann niemand mit Sicherheit sagen. Zweifel sind angebracht, nicht zuletzt, weil die Konzepte zur Inflationsmessung aus Vor-Corona-Zeiten stammen, aktuell also verzerrte Ergebnisse liefern könnten. Denn was ist schon von einer behördlich ermittelten Teuerungsrate zu halten, wenn flächendeckende Ausgangssperren wochenlang Statistiker daran hindern, Preis-Stichproben in Hotels- und Gaststätten, bei Ticketverkäufern oder in Reisebüros und Fitnessstudios durchzuführen? Hinzu kommen pandemiebedingte Sondereffekte wie die vorübergehende Senkung des Mehrwertsteuersatzes in Deutschland.

Gerade angesichts der Fülle an Unwägbarkeiten ist der Zeitpunkt also denkbar günstig, das eigene Wissen in puncto Teuerung und Inflationsschutz im Depot abzuklopfen – die Redaktion wünscht wie immer viel Erfolg!