Aktien aus der Pharmaindustrie dürften spannend bleiben. Das liege indes nicht so sehr an den neuen Corona-Impfstoffen, sagt George Saffaye, Anlagestratege bei Mellon, einer Gesellschaft unter dem Dach von BNY Mellon. "Immer mehr Covid-Impfstoffe kommen auf den Markt. Obwohl sie bei der Bekämpfung der Pandemie äußerst hilfreich sein werden, denken wir, dass die positiven Auswirkungen auf die Pharmaindustrie weniger spannend sein werden", erklärt er. Der Wettbewerb drücke die Preise, Regierungen dürften nicht so viel für die Impfstoffe zahlen wie einst gedacht. Weil die Herstellungskosten gleichbleiben, fallen die Gewinnspannen der Unternehmen wohl recht eng aus.

Spannender als Impfstoffhersteller findet Saffaye sogenannte Life-Science-Unternehmen, die Einzelbestandteile von Medikamenten herstellen. Dabei handele es sich um eine Gruppe von nur vier bis fünf großen Firmen und einen Markt mit hohen Eintrittshürden, erklärt er. "Weil die Kosten für diese Waren im Verhältnis zum Impfpreis so gering sind, werden sie nicht so stark verhandelt. Und diese Unternehmen verkaufen an jedermann. Sie sind also nicht an einen bestimmten Käufer der einen bestimmten Impfstoff gebunden." Sie könnten deshalb stärker von der anstehenden Impf-Welle profitieren als die Impfstoffhersteller selbst.

Krebs-Check, OP-Roboter, Patientenüberwachung
Kurspotenzial sieht der Mellon-Experte auch bei Unternehmen, die medizinische Geräte wie Herzschrittmacher oder orthopädische Implantate produzieren. "Dieses Marktsegment hat gelitten, weil 2020 viele Patienten aus Angst vor Covid-19 bestimmte Behandlungen verzögerten", sagt er. Saffaye sieht in diesem Bereich einen großen Nachholbedarf, der in den kommenden zwei Jahren gedeckt werden könnte. Auch sogenannte gentherapeutische Produkte betrachtet er mit Interesse: Diese könnten "die größte Disruption in der Branche hervorbringen", sagt er. "Einige dieser Medikamente werden zum allerersten Mal zugelassen und sind einigermaßen sicher."

Ein weiterer Pharma-Trend, den Anleger im Auge behalten sollten, ist die Präzisionsdiagnostik. "Das spannendste Beispiel dafür ist Liquid Biopsy, also die flüssige Biopsie", erklärt Saffaye. Dabei handele es sich um eine simple, nicht-invasive Untersuchung, die theoretisch jedes Jahr vorgenommen werden könnte, ähnlich wie ein Bluttest zum Checken des Cholesterinwerts. "Sie könnte Krebs entdecken, noch bevor er sich zu einem Tumor entwickelt hat", so der Stratege. Mehrere Unternehmen arbeiteten gerade an entsprechenden Programmen. Auch die Patienten-Fernüberwachung per Biosensor sowie der Einsatz von Robotern bei Operationen sind laut Saffaye spannende Zukunftsthemen. (fp)