Die Stadtsparkasse Düsseldorf lässt ihren Drohungen Taten folgen: Sie hat vermögenden Kunden, die bei der angekündigten Einführung von Negativzinsen auf ihr Erspartes partout nicht mitmachen wollen, gekündigt. Betroffene können von ihren Konten nun kein Geld mehr abheben, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"(FAZ). Allerdings sollte der drastisch anmutende Schritt die renitenten "Strafzinsverweigerer" nicht wirklich überraschen. Das Vorgehen der Düsseldorfer sei eine "sehr rabiate, letztlich aber konsequente Vorgehensweise“, lässt sich Rechtsprofessor Tobias Tröger in der FAZ zitieren. Sei die Kundenbeziehung erst einmal "verloren", müsse die Bank möglichst schnell versuchen, die Einlagen loszuwerden. 

Aus heiterem Himmel kommt die Maßnahme nicht: Bereits im vergangenen Jahr schickte die Stadtsparkasse "blaue Briefe" an 1.825 Kunden, die jeweils mehr als 250.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten geparkt hatten, und stellte sie vor die Wahl, ihr Geld entweder zum Zwecke der "Einlagenveredlung" in Wertpapiere umzuschichten, einer nachträglichen Vereinbarung über Negativzinsen zuzustimmen oder das Institut zu wechseln. Die meisten Adressaten zeigten sich daraufhin einsichtig.

Wenn gar nichts mehr geht, gehst Du!
Das Vermögen der verbliebenen 20 Kunden, die nun nicht mehr auf ihre Konten zugreifen können, soll als nächstes an das Amtsgericht Düsseldorf übergeben werden. Ist das Geld einmal auf dem Konto des Gerichts angelangt, ist es für die Kunden umständlich, ihr Vermögen zurückzubekommen. Sie müssten sich dafür schriftlich mit der Stadtsparkasse Düsseldorf einigen, um einen "Nachweis der Empfangsberechtigung" zu erhalten, so die FAZ. Doch noch ist die Tür nicht zugeschlagen.

Ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) beschwichtigt: "Aus vielen Gesprächen wissen wir, dass die Sparkassen im aktuellen Marktumfeld alles tun, um den Kunden attraktive und geeignete Angebote zu machen“, so der DSGV-Anonymus. Es sei niemals das Ziel, im Rahmen einer Geschäftsbeziehung einen Vertrag zu kündigen, ein solches Vorgehen werde immer nur als "Ultima Ratio“ in Betracht gezogen. Auch der Sprecher der Stadtsparkasse Düsseldorf versichert: "Unsere Hand bleibt ausgestreckt." 

Herausforderung für Bankenbranche
Das Vorgehen der Stadtsparkasse Düsseldorf erscheint brachial, ist aber rechtens und spiegelt ein Problem wider, vor dem künftig auch andere Geldinstitute stehen könnten. Denn immer häufiger werden nicht nur Neu-, sondern auch langjährige Bestandskunden mit mehr oder weniger gut versteckten "Strafzinsen" zur Kasse gebeten, was nicht ganz konfliktfreie Nachverhandlungen bedeutet. 

Insgesamt verlangen laut dem Verbraucherportal Verivox mittlerweile insgesamt 420 Banken und Sparkassen in Deutschland als "Guthabengebühr" oder "Einlagen-Entgelt" kaschierte Negativzinsen, rund 370 davon auch von Privatkunden. Während Geldhäuser diese bei Neuverträgen einfach erheben können, müssen Bestandskunden gesondert zustimmen. Was passieren kann, wenn sie sich weigern, zeigt das Beispiel der Stadtsparkasse Düsseldorf. (fp)